Tipps & Tricks #3: Lernkartei

Die Lernkartei ist einer meiner ältesten und treusten Weggefährten wenn es ums Lernen geht. Ich habe damit meine ersten Französischwörter gelernt, später auch Latein und Englisch, Bio, Begriffsdefinitionen für die Einführungsvorlesung Literaturwissenschaft, Daten für die Literaturgeschichtsprüfung und noch vieles mehr. Eine einfache, unterhaltsame und immer wieder tolle Einführung in die Lernkartei bietet das Buch So lernt man lernen von Sebastian Leitner. Zwar schon etwas älter, aber die Tatsache, dass 2011 die 18. Auflage erschienen ist, spricht wohl für sich.

Lernkartei in der Plastikversion - noch nicht ganz voll.

Lernkartei in der Plastikversion – noch nicht ganz voll.

Die Lernkartei funktioniert eigentlich ganz einfach. Alles, was man braucht, ist eine lange Kiste mit fünf Fächern. Dabei sollte das erste Fach das schmalste sein, das zweite ist doppelt so breit, das dritte nochmals doppelt so breit, das vierte wieder etwas breiter und das fünfte ist das allerbreiteste. Man kann die Lernkartei für A7- oder A8-Kärtchen machen. Für einfachere Dinge wie Vokabeln finde ich A8 ganz ok. Sobald es um Begriffsdefinitionen und Ähnliches geht, empfehle ich ganz dringend A8. Man kann die Lernkartei selbst aus Karton oder Holz (vorsicht, das wird schwer!) basteln oder auf die im Handel erhältlichen Varianten ausweichen. Bei letzteren ist man mit der Aufteilung der Fächer nicht mehr ganz so flexibel, aber bis jetzt hat es bei mir auch immer geklappt. Und wenn es gar nicht geht, habe ich mir auch schon mit einfachen kleinen Kartonboxen beholfen. Die sind zwar eigentlich zu klein, um eine komplette Lernkartei zu beinhalten, aber zur Not reicht das auch.

Geht im Notfall auch: kleine Kartonbox

Geht im Notfall auch: kleine Kartonbox

Auf einfache Karteikärtchen schreibe ich jetzt meine Vokabeln. Immer auf der einen Seite das deutsche Wort und auf der anderen Seite das Wort in der Fremdsprache. Meiner Erfahrung nach ist es am besten, wenn man dann noch einen kleinen Beispielsatz dazuschreibt, um auch den Kontext gleich mitzulernen. Nach Leitner ist es sinnvoll, nicht mehr als 30 neue Vokabeln zu lernen. Ich hab das nicht überprüft, denke aber, dass das eine gute Faustregel ist. Die neuen Vokabeln kommen immer ins erste Fach. Dann ist das System ganz einfach:

  • Ich nehme das erste Kärtchen aus dem ersten Fach. Wenn ich die richtige Übersetzung wusste, kommt das Kärtchen ein Fach weiter, wenn nicht, wieder ganz hinten ins erste Fach. Das mache ich so lange, bis im ersten Fach nur noch ca. drei Kärtchen übrig sind.
  • Die hinteren Fächer werden jeweils erst bearbeitet, wenn sie voll sind (was für das letzte Fach ziemlich lange dauern könnte). Ich nehme jeweils ungefähr so viele Kärtchen, wie im ersten Fach Platz haben. Was ich konnte, kommt ein Fach weiter, was ich nicht wusste, zurück ins erste Fach.

Natürlich kann es passieren, dass das erste Fach mit „alten“ Vokabeln bereits relativ gut gefüllt ist und man nicht mehr 30 neue Vokabeln pro Tag lernen kann. Das passiert mir immer dann, wenn ich nicht jeden Tag lerne.

Die Lernkartei hat für mich folgende Vorteile:

  • Man hat automatisch einen Rhythmus beim Repetieren. Ich verschwende keine kostbare Zeit damit, das zu repetieren, was ich schon kann und bekomme stattdessen, das was ich noch nicht kann, ständig vor Augen geführt.
  • Ich bin gezwungen, früh mit dem Lernen anzufangen. Die Lernkartei ist kein System zum kurzfristigen Lernen.
  • Ich muss meinen Lernstoff aktiv bearbeiten (aufschreiben!) und in kleine, verdaubare Häppchen aufteilen. Das beinhaltet auch, zu entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist und das Material wiederum in eigenen Worten zusammenzufassen. Im Grunde lerne ich schon ziemlich viel, bevor ich das Kärtchen zum ersten Mal aus der Lernkartei ziehe.
  • Im Grunde kann ich meine Lernkartei überallhin mitnehmen. Wenn es sein muss und ich nicht allzu viel Zeit zum Lernen habe, kann ich auch „nur“ den Inhalt von zwei Fächern mitnehmen und bin ziemlich lange beschäftigt.

Im Grunde ist die Lernkartei einfach eine Art Maschine, die mich dazu zwingt, den Stoff in einigermassen sinnvollen Abständen zu repetieren, damit ich ihn im Langzeitgedächtnis abspeichern kann. Was ich ausserdem damit mache, ist mir selbst überlassen. Man kann zum Beispiel auch zusätzlich mit Mnemotechniken arbeiten, die das Lesen erleichtern. Und man kann die Wörter auch gaanz schnell wieder vergessen (oder ins Unbewusste absinken lassen) wenn man will.

Auf jeden Fall denke ich, dass es nie schaden kann, die Lernkartei im Repertoire der Lerntechniken zu haben. Man kann sie zwar wirklich nur zum Auswendiglernen benutzen, aber gerade dafür ist sie umso besser geeignet.

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