Die Sache mit dem Ehrgeiz

Gestern habe ich mich mit meinem Vater über meinen aktuellen Arbeitsaufwand für die Uni unterhalten. Ich habe mich darüber beklagt, dass ich im Moment so unglaublich viel zu tun hätte und eigentlich gar nicht wüsste, wie ich das alles schaffen sollte. Er meinte, ich hätte bis jetzt immer sehr gute Noten gehabt, also könne ich es mir leisten, für ein Mal etwas weniger zu tun und ein paar schlechtere Noten zu riskieren. Brav wie ich bin habe ich genickt und gemeint, vor allem bei den Modulen, wo es nur um bestanden oder nicht bestanden geht, könne ich ja etwas zurückstecken.

Tatsache ist aber, dass ich das mit dem Zurückstecken erfahrungsgemäss wohl kaum durchziehen werde. Zum einen bin ich hoffnungslos perfektionistisch, zum anderen sitzt da irgendwo in einer Ecke ein kleines Kerlchen namens Ehrgeiz, das nicht zulässt, dass ich irgendetwas (und sei es nur etwas kleines) halbpatzig mache. Und da ist noch etwas anderes: Irgendwann vor ein paar Jahren, als ich mich mal eine Zeit lang Leistungssport gemacht habe, wurde mir eingetrichtert, dass man beim Wettkampf immer mit weniger Leistung rechnen muss (mein Trainer sprach immer von 30% Einbusse, was bei ihm aber schlicht bedeutete, dass man im Training mindestens drei Mal die 100 schaffen musste, um die Punktzahl auch im Wettkampf erwarten zu können). Und obwohl ich selbst schon mehrfach bewiesen habe, dass ich im Ernstfall auch über mich hinauswachsen kann, hat sich bei mir diese Überlegung tief eingegraben und später auch auf Schule und Uni übertragen.

Im Training habe ich also immer die 100 Punkte oder eben die Höchstleistung angepeilt, damit ich im Wettkampf eher mit einer guten Leistung rechnen und damit meine Ziele erreichen kann (sprich: Ich bin auch mal über meine Grenzen hinaus). Auf die Schule oder Uni übertragen heisst das, dass ich eigentlich immer von Anfang an auf die 6 hin arbeite. Wenn ich dann irgendwann merke, dass ich mein ursprünglich geplantes Pensum nicht schaffe, dann kann ich in der Regel doch immerhin mit einer 5 rechnen. Das ist immer noch ein gutes Polster, denn falls mir in der Prüfungssituation die Nerven versagen oder sonst irgendetwas ganz schrecklich schief läuft, dann komme ich realistischerweise immer noch auf eine genügende Note. Grundsätzlich und rein theoretisch wäre der Plan nicht schlecht, nur kommt mir dann eben dieses kleine Kerlchen wieder in den Weg, das mir einflüstert: „Jetzt hast du dir die 6 schon vorgenommen und bist auf halbem Weg da hin, also warum versuchst du denn nicht, sie wirklich zu erreichen?“ Und voilà, klein Melina, völlig überfokussiert natürlich, versucht auch mit Job und drei anderen Leistungsnachweisen, die parallel laufen, noch eine perfekte Arbeit zu schreiben.

Der langen Rede kurzer Sinn: Egal, was ich tue und wie oft ich mir vornehme, eben für ein Mal nur die 4 zu wollen, letztendlich versuche ich doch immer, das Maximum zu erreichen. Selbst wenn das heisst, dass ich bis in die Nacht hinein noch an der Arbeit sitze und alle um mich herum in den Wahnsinn treibe. Und zwar so lange, bis ich wirklich nicht mehr kann.
Kennt jemand ein Mittel dagegen?

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5 Gedanken zu „Die Sache mit dem Ehrgeiz

  1. Pingback: Abgabetermine! | studentenkram

  2. Juliana

    Ich kann dein Dilemma gut nachvollziehen. Eine richtige Lösung habe ich nicht, nur den Hinweis, dass es bei bestanden/nicht bestanden Modulen auch reicht, auf eine 5 hinzuarbeiten – dann hast du immer noch ein Polster von einer Note falls etwas schief geht. Ansonsten kann man wohl nur weniger machen, und das dafür richtig. Ich hab das in meinem Studium fast nie wirklich hingekriegt, aber ich denke so *sollte* man das machen.

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    1. studentenkram Autor

      Eigentlich hast du recht, nur eben: Gewohnheiten ändern sich nicht so leicht und Interesse ist bei mir meistens mit vollem Einsatz gleichzusetzen. Aber ich gelobe Besserung! 🙂

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  3. a.herz

    Leider kenne ich kein Mittel dagegen. Aber ich kenne dein „Leid“. Der Perfektionismus hat seine zwei Seiten. Er macht viel Arbeit, frisst dich manchmal regelrecht auf. Andererseits gibt er dir die guten Momente, wenn du es durchgezogen und geschafft hast. Vor allem, wenn dir klar wird, dass du dieses Ergebnis nicht ohne die eingesetzte Power erreicht hättest. Ob es immer das gute Ergebnis sein muss, bleibt natürlich fraglich …

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    1. studentenkram Autor

      Ich glaube, manchmal muss man einfach lernen, Prioritäten zu setzen. Bei manchen Dingen (Bachelorarbeit z.B.) lohnt es sich, Gas zu geben, bei anderen ist es halt wirklich nicht besonders relevant, ob man jetzt alles perfekt gemacht hat oder nicht. Aber letzteres zu akzeptieren fällt mir oft schwer.

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