WG-Leben: Prüfungsphase

Das WG-Leben ist echt toll, das könnt ihr mir glauben. Ich denke in letzter Zeit immer wieder, wie gut ich es doch eigentlich getroffen habe. Wäre ich Psychologin oder Soziologin wäre das natürlich noch viel spannender, die Analyseobjekte sind fast unendlich – aber auch so gibt es immer wieder ein paar interessante Beobachtungen zu machen.

Zum Beispiel habe ich im letzten Monat zum ersten Mal eine ETH-Prüfungsphase aus nächster Nähe miterlebt. Fazit: Ich bin heilfroh, dass ich an der Uni studiere, auch wenn das heisst, dass ich alle Prüfungen ins Semester gequetscht bekomme. Tatsache ist nämlich, dass meine eigentlich hyperaktive und supersoziale WG in den letzten paar Wochen totenstill und irgendwie fast ein wenig unheimlich geworden ist. Alle haben sich tief in ihre Zimmer verkrochen – ans Tageslicht in der Küche wagt man sich nur noch zum Essen. Wenn man Glück hat, hört man hin und wieder noch eine Badezimmertüre auf- und zugehen oder man erhascht noch einen Blick auf jemanden, der sich kurz was zu Essen macht. Der Gedanke, der einem dabei durch den Kopf schiesst: Gut, sie leben noch. Auch von unseren Nachbarn hört man hauptsächlich Dinge wie „diese Woche sind noch Prüfungen, keine Zeit also“. Wer mit den Prüfungen schon durch ist und es sich leisten kann, fährt nach Hause. Unsere abendlichen Teerunden und nachmittäglichen Schneemann-Aktionen sind also auf eine relativ kleine Gruppe beschränkt. Immerhin ist meine Mitbewohnerin, mit der ich jeweils zum Sport gehe, auch schon mit ihren Prüfungen durch, sodass wenigstens Muscle Pump noch regelmässig stattfindet.

Und obwohl wir vorgestern wieder einmal ein Kompliment gekriegt haben, wie sauber unsere WG aussehe (natürlich für Studenten-Standards), gab es in den letzten paar Wochen doch deutlich mehr Diskussionen rund um die Frage, wann wer was putzen muss und wie lange eine Pfanne zum Einweichen braucht und wie lange eine Tasse unabgewaschen neben dem Waschbecken stehen darf. Das Stresslevel der meisten (mich eingeschlossen) ist definitiv um einiges höher als noch während des Semesters. Das merkt man auch daran, dass die wenigsten abends noch für einen längeren Schwatz zu haben sind. Meistens beschränken sich die Gespräche auf allgemeine Phrasen und Fragen nach dem Verlauf der letzten Prüfung und wann denn die nächste stattfinde. Oder eben – wer denn diese Woche mit Putzen dran sei, es sehe auch schon wieder grässlich aus und den Müll müsste man auch dringendst mal runterbringen.

wpid-img_20150207_092151.jpgAuf der anderen Seite scheint es, als ob jene, die mit ihren Prüfungen durch sind, dafür umso mehr das Bedürfnis haben, zu feiern. Vorgestern gab es eine spontane Party im Aufenthaltsraum und sogar die Aufräumaktion gestern Morgen ist zu einer ziemlich grossen und ziemlich gesprächigen Runde geworden. Langsam dürfte jetzt auch wieder Normalität einkehren, am Montag sind noch die letzten Prüfungen und eine Woche später fängt ja das Semester schon wieder an – dann werden die abendlichen Teekränzchen und samstäglichen Ausflüge wohl wieder etwas öfter stattfinden.

 

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