Die Sache mit der Komfortzone

Ich höre des Öfteren von der Komfortzone und dass man sich auch mal da herausbewegen soll, weil es erst ausserhalb interessant zu werden beginnt. Die Komfortzone ist dieser Bereich im täglichen Leben, bei der Arbeit, im Hobby usw., in dem wir uns wohl fühlen. Die Tätigkeiten, von denen wir wissen, dass sie uns mehr oder weniger leicht von der Hand gehen, bei denen uns wohl ist. Komfortabel eben. Die Forderung, von Zeit zu Zeit über diese Tätigkeiten hinauszugehen und etwas zu tun, das einen fordert oder einem sogar Angst macht, begegnet mir ständig und im Grunde finde ich sie durchaus richtig. Erst ausserhalb der Komfortzone kann man wirklich an seine Grenzen stossen und somit auch wachsen. Ich behaupte aber auch, dass es hin und wieder klüger wäre, in der Komfortzone zu bleiben.

Damit, meine Komfortzone zu verlassen, habe ich schon lange kein Problem mehr. Irgendwann habe ich damit angefangen und seitdem ist es mir regelrecht zur Gewohnheit geworden. Stellvertretung als Handarbeitslehrerin? Sport? Natürlich, kein Thema – auch wenn ich ausser Stricken und Volleyball (und Casting) in diesen Bereichen nichts kann. Eine Woche Wanderlager in Tarps, obwohl ich bis jetzt noch nie ein Lager draussen gemacht habe und nur alle paar Jahre mal wandern gehe? Klar, krieg ich irgendwie schon hin. Unterrichten ohne eine einzige Fachdidaktik-Vorlesung? Auch kein Problem. Alles schon dagewesen. Fast bei allem, was ich tue, werfe ich mich einfach mal ins kalte Wasser. Wenn ich nicht ein Ziel zu erreichen habe, dann langweile ich mich schnell. Deshalb mag ich auch Seminararbeiten viel lieber als Prüfungen. Da kann ich mir mein Ziel selbst stecken oder auch einfach mal drauflosrecherchieren. Und deshalb bin ich auch ganz gerne das schwächste Glied in einem Team. Das ist die viel grössere Herausforderung als die stärkste zu sein.

Der Vorteil an dieser Haltung ist, dass sie mich immer wieder zu ungeahnten, richtig tollen Dingen bringt. Das Trekkinglager diesen Sommer könnte ich nicht machen, hätte ich beim Pandiamo (das Planungswochenende der WWF-Lager) vor eineinhalb Jahren nicht den Mut gehabt, mich für das Nationalpark-Wanderlager zu melden. Meine Lieblingsschnufis vom 10. Schuljahr hätte ich nie kennengelernt, hätte ich damals nicht einfach zugesagt, als ich die Anfrage bekommen habe. Chancen sind dazu da, gepackt zu werden, auch wenn sie dir Angst machen, so meine Devise.

Für mich ist es ein weit grösserer Triumph, eine Situation gemeistert zu haben, für die ich über meinen eigenen Schatten springen musste, als wenn ich brav bei dem geblieben bin, von dem ich weiss, dass ich es kann. Und ich finde, dass man erst da etwas wirklich neues lernen kann, wo man über das bereits Bekannte hinausgeht. Wenn ich also meinen Bildungs- und Entwicklungshunger stillen möchte, dann muss ich mich immer wieder an meine eigenen Grenzen bringen – und vielleicht auch mal darüber hinaus. Nur so lerne ich auch, wo ich einen Strich ziehen muss, wie weit ich überhaupt gehen kann.

Wie gesagt wünsche ich mir aber manchmal auch, nicht ständig gleich aus meiner Komfortzone herauszuhüpfen, obwohl ich noch nicht einmal weiss, ob ich das auch wirklich will. Zusammen mit meinem Verantwortungs-Magneten, der mich alleine schon des Öfteren in die Bredouille gebracht hat, führt das nämlich gerne zu Situationen, die mich auch mal überfordern. Scheitern gehört bei solchen Aktionen auch dazu. Manchmal soll es einfach (noch) nicht sein. Damit muss man umgehen können und abhängig vom allgemeinen Belastungslevel kann das ganz schön schwierig sein. Generell ist die Belastung sowieso höher, wenn man überall und ständig Dinge tut, denen man im Grunde noch nicht ganz gewachsen ist. Manchmal wäre es schon ganz schön, das eine oder andere zu haben, bei dem man sich sicher ist, dass man es kann. Denn auch darin kann man Bestätigung finden: Wenn man schon beinahe routinemässig Dinge erledigen kann, die dann ganz leicht von der Hand gehen und eigentlich überhaupt kein Problem mehr darstellen.

Fazit: Es tut gut, die eigene Komfortzone nicht nur auszuloten, sondern manchmal auch zu verlassen. Also geht halt mal wandern oder klettern, obwohl ihr das Gefühl habt, das überhaupt nicht zu können, meldet euch für diesen einen Kurs an der Uni an, von dem ihr denkt, er wäre viel zu schwer für euch, obwohl er euch brennend interessiert. Wenn ich ein tolles Angebot kriegt, bei dem ihr nicht sicher seid, ob ihr dem auch wirklich gewachsen seid – nehmt es an. Wer weiss, was hinter dem Tellerrand noch an wunderbaren Dingen auf euch wartet!
Aber wenn das Bauchgefühl nein sagt, wenn ihr eigentlich schon genügend Bereiche im Leben habt, wo ihr euch ausserhalb eurer Komfortzone bewegt und bis zum Anschlag gefordert seid, dann bleibt doch in einem anderen Bereich einfach mal drin. Nehmt die leichtere Route auf den Berg oder lasst den Gipfel für heute mal einfach aus. Von weiter unten hat man oft auch einen ganz schönen Ausblick. Der Stress lässt sich so bedeutend einfacher unter Kontrolle halten – was durchaus gut tut.

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