Fragen, die zu beantworten ich hasse

Kennt ihr das? Es gibt gewisse Fragen, die stellt man euch immer wieder. Bei Familienfesten, bei Treffen mit Freunden, beim Wiedersehen mit den Nachbarn. Und jedes Mal, wenn jemand dazu ansetzt, stellen sich euch schon die Haare auf und ihr würdet am liebsten weit weglaufen. Hier folgt eine Liste mit den Fragen, die ich am liebsten nie wieder beantworten würde.

Warum studierst du eigentlich?
Je nachdem, wie ich mich gerade im Griff habe, kann meine Antwort auf diese Frage zwischen einem einfachen „Weil’s mich interessiert“ oder „Weil ich Lehrerin werden will und man dazu ein Studium braucht“ und einem faden Lächeln liegen, das knapp zu überdecken vermag, dass ich innerlich schreiend im Kreis renne. Ganz ehrlich? Ich habe mir diese Frage schon hunderttausendmal gestellt und es gibt Tage, da weiss ich es selbst am allerwenigsten. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass damals, als ich die Entscheidung pro oder contra Studium fällen musste, keine Alternative in Sichtweite war, die mich genügend gefordert hätte. Vielleicht macht es auch einfach Spass.
Und jetzt will ich diese Frage nie. Mehr. Hören. Ok?

Und was machst du nachher damit?
(In der Regel ist diese Frage übrigens von einem ziemlich kritischen Blick begleitet, der in meiner Handwerker- und Arbeiterfamilie, wo ich die erste bin, die eine Matura gemacht hat und jetzt ein klassisches Hochschulstudium verfolgt, in der Regel ausdrücken soll, dass man sich nicht vorstellen kann, wie daraus je etwas G’scheites werden soll.)
Ich werde Lehrerin. Und ja, das war meine erste Wahl. Und ja, ich habe mir auch andere Optionen überlegt, aber letztendlich lande ich doch immer wieder dabei. Noch Fragen?

Und wie lange dauert das Ganze jetzt noch?
Ich weiss nicht, wie oft mir meine lieben Tanten, Onkel und Cousinen diese Frage schon gestellt haben (und all die anderen Leute insbesondere im Umfeld meiner Eltern). Bei manchen Leuten warte ich bei jeder Begegnung schon auf die Frage. Und habe inzwischen schon so komplexe Antworten entwickelt, dass sich einige schon kaum mehr trauen, den Mund aufzumachen. Ziel erreicht.
Ehrlich, Leute? Ist das eure einzige Sorge? Ja klar, ich lebe zum Teil auf Kosten des Staats – und das doch schon ziemlich lange – und ich bin dankbar, dass ich das kann. Aber ich habe mir einen grossen Teil meines Studiums selbst finanziert. Also Klappe, es dauert eben so lange, wie es dauert.

Liest du denn im Studium den ganzen Tag Bücher?
Meint ihr diese ganzen wunderbaren Primärtexte von Goethe, Schiller, Molière und Co.? Nein. Schön wär’s. Wir lesen auch Artikel, eine Menge Literaturtheorie, Philosophie, Sprachgeschichte, Kulturwissenschaften. Wir schreiben eine Menge. Wir diskutieren. Ich lerne Zeug auswendig, wie jeder andere Studi auch. Und überhaupt studiere ich nicht nur Literatur, sondern auch Linguistik. Also lasst mich in Ruhe.

Wann fängst du denn an, zu arbeiten?
Meine Lieblingsfrage. Ich arbeite, seit ich 16 war. Eigentlich hatte ich meinen ersten Ferienjob schon mit 13. Klar, das waren Aushilfsjobs und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich nicht weiter bei Burger King arbeiten muss. Aber spätestens seit zwei Jahren sollte sich diese Frage eigentlich erledigt haben. Ich bin Lehrerin, verdammt. Und nur, weil ich daneben noch studiere, heisst es nicht, dass ich „noch nicht“ arbeite.
Und wo wir schon dabei sind: Ja, ich weiss, was „richtig“ arbeiten heisst. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie. Und nur, weil ich bis jetzt noch nie auf dem Bau war und vermutlich nach einem Tag in einer Schreinerwerkstatt Muskelkater zum davonlaufen hätte, heisst das nicht, dass ich mir deswegen blöde Sprüche anhören muss. Anpacken kann ich. Und ich kann noch anderes, was ihr nicht könnt.

So, das sind die anstrengendsten, dümmsten, nervigsten Fragen, die mir gerade in Bezug auf mein Studium eingefallen sind. (Alle, die diesen Text gelesen haben, dürfen mich in Zukunft gerne damit in Ruhe lassen) Was sind eure verhasstesten Fragen, die ihr immer wieder gestellt kriegt?

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6 Gedanken zu „Fragen, die zu beantworten ich hasse

  1. Vater

    Da ich dich nun schon ziemlich lange kenne und auch verbrochen habe, dass du dir dein Studium selber finanzieren musstest, ich bin seit deinem ersten Tag auf dieser Erde stolz auf das was du bis jetzt erreicht hast. Und ich weiss wieviel du dafür gearbeitet hast. Du weisst ganz genau: Von nichts kommt nichts!

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  2. lottaimref

    Studierst du dann nicht auch „auf Lehramt“? Damit würde sich doch eigentlich die zweite Frage erübrigen oder?

    Meine Lieblingsfrage: Bist du dir sicher, dass du in diesen Zeiten noch Lehrerin werden willst? Die werden doch immer dümmer!

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    1. studentenkram Autor

      In der Schweiz ist das Lehramt eine Tusatzausbildung nach dem/parallel zum Master, das heisst, bis zum Masterabschluss studieren alle dasselbe. Entsprechend könnte ich mich immer noch umentscheiden, wenn ich wollte.

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      1. lottaimref

        Ah okay, ich verstehe! Aber die Frage finde ich dennoch seltsam. Denn was du später mal damit machen willst, ist ja eigentlich sehr klar. Anders, als wenn du bspw. „irgendwas mit Medien“ studieren würdest. Umentscheiden könntest du dich sicher, das kann man auch im Lehramtsstudium, aber gerade hast du doch einen konkreten Plan und das ist super! 🙂

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      2. studentenkram Autor

        Für uns ist das klar, aber in einer Familie von Handwerkern, Verkäufern, Polymechanikern und anderen „soliden“ Berufen ist vermutlich jedes Studium irgendwie seltsam und schwer verständlich. Und unter Germanistik oder Romanistik können sie sich schwer etwas vorstellen, weil sie sich noch nie damit beschäftgt haben 😉
        Immerhin lassen sie mich in der Regel in Ruhe, wenn sie hören, dass ich tatsächlich weiss, was ich will 🙂

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