Liebe Masterarbeit

Man darf seine Masterarbeit toll finden, oder?  – Was dabei herauskommt, wenn man im Zug etwas Zeit hat, seine Gedanken wandern zu lassen.

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Ich finde dich toll. Wirklich. Du vereinst alles in dir, was ich an meinem Studium so geliebt habe und immer noch liebe (ausser die Literatur, aber die ist mir als Hobby sowieso lieber). Du hast Französisch, Linguistik, Pädagogik. Du hast Varietätenlinguistik und sprachenpolitische Fragen. Kultur und Landeskunde und überhaupt all diese Dinge, die für mich so oft zu kurz kamen. Nun habe ich endlich die Gelegenheit, mich damit noch einmal auseinanderzusetzen.

Wir hatten einen ziemlich holprigen Start, das muss ich zugeben. Am Anfang war ich völlig begeistert von dir – und dann habe ich dich eine Weile völlig vernachlässigt. Auch danach habe ich es uns oft nicht leicht gemacht. Ich dachte, du wärst letztendlich nicht anders als all die anderen Arbeiten, die mir fast alle zum Schluss grauenhaft auf die Nerven gingen. Ich dachte, auch von dir hätte ich am Ende die Schnauze voll. Aber wie habe ich mich getäuscht! Je näher der Abgabetermin rückt, desto mehr finde ich es schade, mich von dir bald trennen zu müssen, desto mehr wünsche ich mir, etwas mehr Zeit mit dir verbringen zu dürfen und das, was wir uns jetzt aufgebaut haben, noch etwas weiterzuentwickeln. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, das hier noch etwas zu verlängern, wer weiss.

Jedenfalls könnte ich mir keinen schöneren Abschluss für mein Studium wünschen. Es wird bittersüss werden, dessen bin ich mir sicher. Deshalb geniesse ich es umso mehr, dass ich mir mit dir einen so wunderbaren Abschluss für diese acht Jahre ausgesucht habe. Auch wenn die letzten paar Wochen chaotisch und manchmal anstrengend waren (und der wohl anstrengendste, wenn auch schönste, Teil vermutlich noch vor mir liegt): Ich geniesse das hier.

Danke, dass du mir erlaubst, nochmals die schönsten Orte meines Studiums zu besuchen. Danke, dass du mir erlaubst, noch einmal neue Plätze zu besuchen und mir neue Horizonte zu erschliessen. Danke, dass du unsere gemeinsame Zeit so angenehm gestaltest.

Ich freue mich auf die letzten Wochen mit dir und hoffe, dass wir einander noch lange in guter Erinnerung behalten werden.

Danke!

Melina

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2 Gedanken zu „Liebe Masterarbeit

  1. josyimref

    Hi Melina,
    der Text ist super. Kurz, aber extrem gehaltvoll. Es ist interessant wie du deine Beziehung zu der MA schilderst. Aus einer riesen Herausforderung wurden erste Überlegungen, dann Texte und am Ende nicht nur eine fertige Arbeit, sondern eine Art Freund, der dich durch die Höhen und Tiefen begleitet hat. Mir ging es ähnlich mit meiner MA, wenn auch weniger freundschaftlich. Anfangs sprudelte ich vor Wissensdurst und Tatendrang. Dann erwartete mich ein Berg an Literatur und der Druck alle Gedanken irgendwie zu ordnen und rechtzeitig in etwas Lesbares zu bringen. Letztendlich habe ich es hinbekommen und war sehr stolz auf mich. Jetzt so eine Reflexion zu lesen, ist wirklich schön. Es zeigt einfach, wie viel Aufwand, Zeit und Liebe in so einer langen Arbeit drinsteckt und dann man durch die Auseinandersetzung mit der Thematik an Grenzen kommt und gleichzeitig daran wächst. Das ist glaube ich das, was das Studium so einzigartig macht: Die Zeit, sich intensiv mit einem Thema beschäftigen und weiterzubilden zu können. Im Studium selbst fällt einem das nicht so auf, weil man einfach fertig werden will. Jetzt, 3 Monate nach dem Studium, weiß man es schon zu schätzen.
    Viele Grüße
    Josy

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    1. Melina Autor

      Hi Josy,
      Danke vielvielmals für deine Worte! Ja, es ist wirklich faszinierend, wie sehr einem so eine Arbeit ans Herz wachsen kann – wie viel wir daraus lernen und wie sehr wir daran wachsen können. Wenn wir es zulassen. Das war bei mir immer ein wenig das Problem 😉
      Liebe Grüsse

      Gefällt 1 Person

      Antwort

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