Archiv der Kategorie: Allgemein

WG-Leben ist…

… spontanes Tanzen in der Küche zu alten Songs, von denen man normalerweise nicht zugeben würde, dass man sie immer noch gut findet.

… zusammengewürfelte Festessen, weil wir vergessen haben für das seit zwei Wochen angekündigte WG-Essen einzukaufen.

… zusammengewürfelte Festessen, einfach, weil wir gerade alle in der Küche sind und nicht jeder für sich kochen möchte.

… ein verstopfter Abfluss, sodass wir eine Woche lang unser Abwasser kesselweise ins WC spülen.

… am Morgen erstmal das Geschirr, das sich einen ganzen letzten Tag lang angesammelt hat, wegräumen, damit man an die Frühstücksschale kommt, die zuunterst unter vier Töpfen steht.

… abends um neun nochmals aus dem Pyjama steigen, weil man beschlossen hat, noch etwas trinken zu gehen, um die letzten Prüfungen zu feiern.

… bis morgens um vier im Wohnzimmer über Gott und die Welt quatschen.

… drei Runden Beerpong spielen, ohne einen Schluck zu trinken, weil die Jungs Gentlemen sein möchten und einen die Becher nicht mal anfassen lassen.

… etwas widerspenstig die Schimmelkultur aus dem Kühlschrank entfernen und sich dabei fragen, was dieser graue Haufen ursprünglich war.

… den Semesterputz mit dem Kater des Jahres zelebrieren und ihn abends mit Kurierpizza und Bier auf dem Balkon feiern, weil die Küche zu sauber ist, um sie zu benutzen.

… Schlange stehen vor dem Frauenbad, weil alle drei gleichzeitig duschen und Zähneputzen wollen und der Freund der Mitbewohnerin gerade die Dusche blockiert.

… sich gegenseitig beim UNO-Spielen ankreischen, weil man schon wieder eine verdammte +4-Karte bekommen hat.

… abends die Abfallsäcke aus dem fünften Stock in den Container zu werfen versuchen.

… sich beim Munchkin bis um Mitternacht fertigmachen.

Liebe Masterarbeit

Man darf seine Masterarbeit toll finden, oder?  – Was dabei herauskommt, wenn man im Zug etwas Zeit hat, seine Gedanken wandern zu lassen.

Liebe MasterarbeitDSC_1836

Ich finde dich toll. Wirklich. Du vereinst alles in dir, was ich an meinem Studium so geliebt habe und immer noch liebe (ausser die Literatur, aber die ist mir als Hobby sowieso lieber). Du hast Französisch, Linguistik, Pädagogik. Du hast Varietätenlinguistik und sprachenpolitische Fragen. Kultur und Landeskunde und überhaupt all diese Dinge, die für mich so oft zu kurz kamen. Nun habe ich endlich die Gelegenheit, mich damit noch einmal auseinanderzusetzen.

Wir hatten einen ziemlich holprigen Start, das muss ich zugeben. Am Anfang war ich völlig begeistert von dir – und dann habe ich dich eine Weile völlig vernachlässigt. Auch danach habe ich es uns oft nicht leicht gemacht. Ich dachte, du wärst letztendlich nicht anders als all die anderen Arbeiten, die mir fast alle zum Schluss grauenhaft auf die Nerven gingen. Ich dachte, auch von dir hätte ich am Ende die Schnauze voll. Aber wie habe ich mich getäuscht! Je näher der Abgabetermin rückt, desto mehr finde ich es schade, mich von dir bald trennen zu müssen, desto mehr wünsche ich mir, etwas mehr Zeit mit dir verbringen zu dürfen und das, was wir uns jetzt aufgebaut haben, noch etwas weiterzuentwickeln. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, das hier noch etwas zu verlängern, wer weiss.

Jedenfalls könnte ich mir keinen schöneren Abschluss für mein Studium wünschen. Es wird bittersüss werden, dessen bin ich mir sicher. Deshalb geniesse ich es umso mehr, dass ich mir mit dir einen so wunderbaren Abschluss für diese acht Jahre ausgesucht habe. Auch wenn die letzten paar Wochen chaotisch und manchmal anstrengend waren (und der wohl anstrengendste, wenn auch schönste, Teil vermutlich noch vor mir liegt): Ich geniesse das hier.

Danke, dass du mir erlaubst, nochmals die schönsten Orte meines Studiums zu besuchen. Danke, dass du mir erlaubst, noch einmal neue Plätze zu besuchen und mir neue Horizonte zu erschliessen. Danke, dass du unsere gemeinsame Zeit so angenehm gestaltest.

Ich freue mich auf die letzten Wochen mit dir und hoffe, dass wir einander noch lange in guter Erinnerung behalten werden.

Danke!

Melina

Endspurt!

Nun ist es also so weit: Osterferien. Vor zwei Monaten habe ich mir vorgenommen, in dieser Woche meine Masterarbeit fertigzuschreiben. Die Vorräte sind aufgestockt (Schokolade, Früchte, laktosefreies Joghurt – Herz, was willst du mehr?), das Zimmer (fast) aufgeräumt, alles ist bereit. Nächste Woche sind nur zwei Termine vorgesehen: Ein Konzert am Dienstagabend, das schon seit einem Jahr geplant ist und ein Vorstellungsgespräch am Freitag (ungeplant). Ansonsten sind alle Verpflichtungen gestrichen. Am 22. April 2017 werde ich meine Arbeit an meine beiden Korrekturleserinnen schicken. Spätestens. Bis dahin melde ich mich mal ab, Kontaktaufnahme erfolgt auf eigene Gefahr.

WG-Momente

Alle, die schonmal in einer WG gelebt haben, werden es bestätigen können: Einerseits ist das Zusammenleben mit anderen Menschen, ob man sie nun als seine Freunde bezeichnet oder sie eher Fremde sind, manchmal ganz schön anstrengend. Andererseits gibt es aber auch wirklich schöne Momente. So zum Beispiel, wenn sich aus dem zusammengewürfelten Brunch für zwei am Sonntagmorgen eine spontane Küchenparty mit der halben WG entwickelt – einfach nur, weil das Wetter gerade so schön und die Spotify-Playlist so gut ist. Vielleicht nur für eine halbe Stunde, aber die Laune ist trotzdem fürs ganze Wochenende gerettet.

Und was dann?

Da sitzt man nun also, sollte sich mit seiner Masterarbeit beschäftigen, die einem im Nacken sitzt, oder zumindest die Lektionen von nächster Woche vorbereiten, aber da ist diese eine Frage, die sich immer wieder aufdrängt, die immer wieder aufploppt wie die Benachrichtigungsfenster einer Software, die aktualisiert werden müsste: Und was kommt danach?

Acht Jahre lang habe ich mich vor dieser Frage gedrückt, habe immer und immer wieder gesagt: Ich werde Lehrerin. Ja, ich war überzeugt, dass es das richtige ist für mich. Manchmal denke ich jetzt noch, ich wäre an der Schule doch gar nicht so schlecht aufgehoben. Manchmal überkommt es mich dann doch wieder und ich überlege mir, zurück zu meinem alten Plan zu gehen. Wenn ich dann von den Kämpfen um die wenigen Lehrerstellen höre, finde ich meinen Entscheid doch wieder ok.

Aber dann wieder: Und was kommt danach? Wie soll dieser Traumjob denn aussehen? Wo soll er sein? Wie viel von meinen Träumen bin ich bereit, zurückzustellen? Welche Träume sind denn überhaupt noch aktuell? Und wo finde ich vielleicht neue Träume? Bin ich bereit, meinen Traum vom Reisen zurückzustellen?

Die Gedanken drehen und drehen und kommen nicht zur Ruhe. Villeicht fällt mir die richtige Jobbeschreibung ja doch einfach noch in den Schoss

So macht Masterarbeit Spass

dsc_1710.jpgHeute musste ich für meine Masterarbeit nach Bern in die Nationalbibliothek fahren. Nachdem ich endlich meinen inneren Schweinehund überwunden hatte, der mir sagte, dass nach Bern fahren doof ist, wars dann doch ein toller (Halb)Tagesausflug. In der Nationalbibliothek hat man mir dann allerdings gesagt, dass die Dokumente, die ich brauche, wegen eines Wasserschadens nicht verfügbar sind. Dann eben nicht. Nach erfolgreicher Anmeldung und der Bestätigung, dass ich mir Dokumente auch nach Hause senden lassen kann, habe ich mich noch für eine Stunde in ein Café gesetzt und doch noch ein bisschen an meiner Masterarbeit geschrieben. Dann noch Mittagessen mit einer Freundin und schon wieder zurück nach Zürich. Leider. Denn eigentlich find ich Bern echt eine tolle Stadt!

Ein bisschen was habe ich immerhin geschafft. Die Struktur steht so langsam und der Theorieteil nimmt Form an. Ich komme zwar mit der Analyse der Lehrmittel nicht wirklich vorwärts, neben der Tatsache, dass die mir bereits bekannten Lehrmittel in der NB nicht zugänglich sind (zumindest nicht bis nächsten Montag), bekomme ich auch erst Ende Woche die komplette Liste mit den aktuell verwendeten Lehrmitteln. Aber dann werde ich eben mit allem anderen weitermachen. Zu Hause wartete übrigens noch eine tolle Überraschung auf mich: Mein neuer Laptop ist da! Nachdem mir mein alter vier Jahre lang treue Dienste geleistet hat (und eigentlich immer noch leistet), musste endlich ein leichteres Modell her. Ich werde so oft mit meinem Laptop unterwegs sein und unterwegs schreiben, dass es einfach notwendig wurde. Ich freu mich riesig über den kleinen Kerl. Der grosse darf jetzt getrost zu Hause an der Wärme bleiben, wo ich ihn natürlich weiterhin verwenden werde. Aber für die Uni und die Schule wird mir hoffentlich der Neue genauso gute Dienste leisten.

Semesterstart zum Letzten

Gestern ging es wieder los: das Frühlingssemester. Mein inzwischen 16. (Mensch, bin ich alt geworden) und mein (hoffentlich) letztes. Ich kann fast nicht anders, als ein wenig nostalgisch zu werden angesichts der Tatsache, dass ich beim nächsten Semesterstart, ein inzwischen liebgewonnenes Ereignis im Jahresverlauf, nicht mehr dabei sein werde. Als heute ein Germanistik-Zweitsemester im Studiladen nach den Mittelhochdeutsch-Basiswerken gefragt hat wurde mir auch bewusst, wie lange icg schon hier bin. So sehr ich also dieses letzte Semester geniessen werde, so froh bin ich, dass bald vorbei ist. Der Countdown läuft!

Stadien einer Seminararbeit

Im Laufe eines Studiums, insbesondere in den Geisteswissenschaften, schreibt man so einige Seminararbeiten. Bei mir waren es wohl zwischen 15 und 20 – so genau habe ich sie nie gezählt. Mit der Zeit wird der Ablauf zur Routine: Immer und immer wieder durchläuft man die gleichen Phasen, bis man genau weiss, wie es geht, wo man einfach durch muss und was Warnzeichen eines nicht ganz normalen Ablaufs sind. Bei mir haben sich inzwischen sieben Phasen herauskristallisiert.

  1. Euphorie!
    Am Anfang einer Seminararbeit bin ich in der Regel völlig aus dem Häuschen, finde mein Thema enorm spannend und stürze mich Hals über Kopf in die Arbeit. Diese Phase ist meistens dadurch gekennzeichnet, dass ich mich tagelang nur mit diesem einen Thema auseinandersetze und einfach mal den Online-Katalog der Bibliothek durchstöbere und meine Lektüreliste immer länger wird.
  2. Sammelphase
    In der zweiten Phase werde ich zum Hamster. Ich lade Artikel herunter, lehne ein Buch nach dem anderen aus der Bibliothek aus, kopiere mir alles, was ich finde. Ich lese, bis mir die Augen schmerzen und ich nicht mehr weiss, was ich wo gelesen habe. Wenn alles richtig läuft, entsteht hier die Struktur für die Arbeit (die ich aber zwischen Phase 4 und 6 noch mindestens zwei Mal über den Haufen werfe. Das ist aber ganz normal).
  3. Durchhänger I oder: die Schwelle zum Schreiben
    Meistens kommt nach der Sammelphase der erste Tiefpunkt, weil ich nicht so recht weiss, wie ich das alles angehen soll. Wenn ich schon eine Fragestellung definiert habe (und diese gut ist), dann ist dieser Durchhänger in der Regel eher kurz. Wenn nicht, dann entspricht diese Phase der ersten grossen Krise. Dann drehe ich mich tagelang im Kreis, sitze vor einem weissen Blatt Papier und kriege kaum zwei gerade Sätze aufs Blatt.
  4. Schreiben!
    Ist der erste Durchhänger überwunden, kommt meine Lieblingsphase: Es läuft endlich, ich kann schreiben, bis meine Finger wund werden und die Arbeit ist jeden Abend etwas weiter gediehen. Irgendwo hier werde ich auf jeden Fall die Struktur nochmals umwerfen, weil ich garantiert nochmals über irgendetwas stolpere, das mich doch auch noch interessiert. Oder weil ich plötzlich denke, dass dieser andere Aspekt des Themas doch viel interessanter wäre. Ich kann minutenlang über der perfekten Formulierunge eines Satzes brüten und – wenn ich die Seminararbeit auf Französisch schreiben muss – neue Wörter im Dutzend lernen. Einfach, weil’s gerade Spass macht.
  5. Durchhänger II oder: Wie lange noch?
    Egal, wie gerne ich mich mit dem Thema einer Seminararbeit auseinandersetze, irgendwann kommt der Punkt, an dem ich keine Lust mehr habe. Ich will die Arbeit einfach nur noch abgeben und mich endlich wieder mit etwas anderem beschäftigen. Meistens kommt hier die zweite Schreibblockade. Ich sehe plötzlich überall Lücken in meiner Argumentation und Probleme, die sich stellen, habe aber keine Ahnung, wie ich sie lösen soll. Es sei denn, ich werfe alles über den Haufen und fange nochmals von vorne an. Aber nein, dafür fehlt mir die Zeit, denn in zwei Wochen muss ich ja abgeben! (Und ja, die Zwei-Wochen-vor-Abgabe-Regel ist sehr präzise)
    Während der zweiten Durchhänger-Phase sitze ich in der Regel viel länger als üblich auf Facebook, sehe mir alle neuen Folgen von NCIS und beiden Spin-offs an (und wenn ich die durch hab, dann suche ich mir noch ein paar alte Folgen, die ich eigentlich schon auswendig kann). Oder ich finde plötzlich einen neuen Autor, den ich super finde und dessen Bücher ich am liebsten alle verschlingen würde.
  6. Endspurt
    Die letzten zwei Wochen vor Abgabe sollte ich mir eigentlich ein Schild umhängen, auf dem sowas wie „Vorsicht! Seminararbeits-Endphase! 2 Meter Sicherheitsabstand wahren!“. Fragt mal meine Eltern. Oder meine Mitbewohner. Ich werde absolut unerträglich. Ich bin nämlich ein Perfektionist und diese letzte Phase, in der man noch alles unterbringen möchte, das man noch gefunden hat und in der man die Arbeit poliert, ist die schlimmste. Vor allem, wenn man weiss, dass man sie noch jemandem zum Gegenlesen geben möchte und diese Person ja auch nicht unendlich viel Zeit hat.
    Diese Phase ist ausserdem gekennzeichnet durch schlechte Ernährung, viel Kaffee und Schokolade und nächtliche Panik-Anfälle, weil mir plötzlich wieder irgendetwas einfällt.
  7. Post-Abgabe-Phase
    Ist die Abgabe endlich geschafft, gibt es nur eine Regel zu beachten: Die Seminararbeit nicht mehr anfassen. Das mein ich ernst. Nein, schau sie nicht mehr an. Begrab sie irgendwo unter hundert anderen Dokumenten. Verbrenn die zweite Kopie am besten. Sonst findest du nur noch mehr Fehler, die der Prof ganz bestimmt katastrophal findet.
    Diese Phase ist begleitet von einer wahlweise absolut übereuphorischen oder mehr oder minder depressiven Stimmung. Denn Mittelmass gibt’s bei mir nicht. Es gibt nur Extreme. Manchmal will ich nicht abgeben, denn schliesslich habe ich dieses Thema so lange mit mir rumgetragen. Aber ich muss, denn die nächste Arbeit wartet schon. Und dazwischen möchte ich gerne noch zwei Tage Süsses Nichtstun. Danke.

Damals bei der Bachelorarbeit waren die Phasen besonders ausgeprägt. Oh Mann, habe ich damals meine Eltern genervt. Eigentlich will ich noch gar nicht wissen, wie’s dann bei der Masterarbeit wird. Vermutlich werde ich mich irgendwo in den Bergen in einer Hütte einschliessen müssen, wo mich niemand stören kann (bzw. wo ich niemanden brüllend anfallen kann, weil er den Fehler gemacht hat, im falschen Moment seinen schmutzigen Teller in der Spüle hat stehen lassen). Im Grossen und Ganzen finde ich Seminararbeiten aber toll. Wirklich!

Der Anfang vom Ende

Meine Lieben! Endlich melde ich mich mal wieder. Das letzte Semester war der pure Horror. Am Anfang dachte ich noch „wird streng, aber ich hab schon Schlimmeres geschafft“, aber kurz vor Weihnachten war ich dann einfach nur noch froh, dass es vorbei war. Neben dem üblichen Unistress und der Arbeit kamen noch einige persönliche Dinge hinzu, die ich einfach nicht mehr unterbringen konnte. Und somit gehöre ich nun offiziell zum Club derer, die aus tiefster Überzeugung sagen „2017 kann nur besser werden als 2016″. Jedenfalls hat sich Anfang Jahr die Situation wieder etwas beruhigt und an dieser Stelle möchte ich mich bei all denen bedanken, die meinen Blog besucht haben, obwohl es nichts Neues zu sehen gab! In den nächsten Monaten dürfte es wieder etwas mehr Updates geben.

2017 wird das Jahr sein, in dem ich endlich, nach 8 Jahren, mein Studium abschliessen werde. Noch zwei Vorlseungen und die Masterarbeit. Die meisten Leistungsnachweise sind erledigt, die letzten Noten vom Herbstsemester sind auch schon da und ich kann schon langsam an die Planung für den Sommer gehen. Die Masterabeit nimmt, nachdem ich im Herbstsemester nicht mal annähernd dazu gekommen bin, seit zwei Wochen allmählich Form an. Ich grenze immer mehr ein und komme langsam wirklich zu dem Punkt, wo es konkret wird. Hoffen wir, ich kann den Terminplan bis zum Ende durchhalten!

Im Juni wird dann alles vorüber sein. Dann heisst es tschüss Uni und hallo Leben! 🙂 Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Erstmal muss ich hier alles heil hinter mich bringen, ein Schuljahr gilt es auch noch zu beenden und der Sommer will geplant werden. Zu meinen Plänen für nach dem Abschluss komme ich vielleicht in einem späteren Post nochmals. Unter anderem werde ich mich noch entscheiden müssen, was ich denn jetzt werden will, wo es doch nicht Lehrerin ist. Langweilig wird’s ganz bestimmt nicht!

So etwas wie ein Geständnis

Für einmal etwas nachdenklicheres. Ein paar Gedanken, die ich mir im Vorfeld zu meinem letzten Beitrag gemacht habe.

Ich lasse mich viel zu leicht von der Meinung anderer beeinflussen. Mein ganzes Leben lang habe ich in der Angst davor gelebt, was andere von mir denken mögen, wenn ich ihnen mein wahres Ich zeige, wenn ich laut ausspreche, was mich im Innersten bewegt, wenn ich meine Interessen offen verfolge.

So viele Dinge habe ich nicht oder nur im Verborgenen getan, weil ich Angst hatte, dass mich die Leute deswegen verurteilen könnten. So oft habe ich Dinge auf später verschoben, weil ich dachte, niemanden zu finden, der es mit mir tut, statt entweder einfach zu fragen oder es schlicht alleine zu tun.

Das hat dazu geführt, dass die meisten Menschen mich eigentlich gar nicht richtig kennen. Sie wissen nicht, dass ich Poesie eigentlich ganz wunderbar finde, dass ich Goethe vergöttere und Hesse sowieso. Sie haben keine Ahnung davon, wie viel mir eine einfache Liedzeile bedeuten kann. Sie wissen nicht, dass Beethoven mein Held ist, dass seine Musik mich in einem Masse bewegt, das ich kaum in Worte fassen kann. Sie wissen nicht, dass Schreiben meine wahre Passion ist – nicht die Musik, nicht der Sport, nicht das Unterrichten. Die Literatur und die Sprache vielleicht noch, aber eigentlich auch sie nur im Dienste meines Schreibens. Kaum jemand ahnt, wie viel es mir bedeutet, Worte zu Papier zu bringen. Kaum jemand weiss, wie sehr es mich immer in den Fingern kribbelt, wenn ich einen Text lese.

Denn viel zu oft lasse ich mich davon abhalten, das zu tun, was ich tun will, weil ich darauf bedacht bin, was die anderen von mir denken. Allzu selten gebe ich diese Dinge preis aus Furcht davor, was die Menschen damit machen könnten. Ich habe Angst, der Kritik schutzlos ausgeliefert zu sein – oder gar nicht bemerkt zu werden. Was von beidem schlimmer ist, weiss ich selbst nicht. Denn eigentlich kann mir beides wurscht sein. Schliesslich mache ich es nicht für andere, sondern für mich.

Wie viele Bücher habe ich nicht gelesen, weil alle darüber reden? Wie viele Bücher habe ich nicht gelesen, weil niemand sie mir empfehlen konnte? Ich möchte nicht Mainstream sein, aber werde Lehrerin wie 80% meiner Mitstudenten. Ich möchte das Schreiben zu meinem Beruf machen, aber weil ich so oft gehört habe, es sei schwierig, sich damit ein Leben zu finanzieren, weiche ich auf die Sicherheitsvariante aus. Statt mir endlich ein Publikum zu suchen, meine Texte nach aussen zu tragen und mich gegen die Kritik zu wappnen. Die sowieso erst kommt, wenn meine Texte ein breiteres Publikum erreichen. Und bis dahin habe ich mir hoffentlich eine etwas dickere Haut zugelegt.

Immer wieder nehme ich mir vor, jetzt endlich hervorzutreten, mein wahres Ich in die Welt zu tragen. Aber dann merke ich, wie sich die Blicke auf mich richten und ich krebse zurück. Denke, dass es wohl doch keine so gute Idee sei, und dass ich wohl besser noch etwas warte. Ich bin extrovertiert, das ist Teil meiner Persönlichkeit. Dass ich aber auch extrem unsicher bin, übersehen viele.

An der Uni wäre ich gerne wie Hermine Granger. Ich würde gerne meine Bücher schon Wochen vor Schulbeginn auswendig gelernt haben, alles Zusatzmaterial lesen, Stunden in eine vertiefte Recherche investieren, wenn zur Not auch fünf Minuten reichen würden, würde gerne alles über ein Thema erfahren, ohne mich dafür zu schämen. Immer und immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich eigentlich gerne in die vorderen Reihen sitzen würde, mich dann aber doch für einen Platz weiter hinten entscheide, weil ich nicht als Streberin dastehen möchte. Ich möchte mich nicht mehr schämen, ein Nerd zu sein. Denn eigentlich bin ich genau das. Es ist nicht die Bequemlichkeit, die mich davon abhält, in jeder freien Minute meine Nase in ein Buch zu stecken oder Gedichte auswendig zu lernen. Es ist die Vorstellung davon, was andere über mich denken könnten. Ich war so sehr damit beschäftigt, mich anzupassen, mich in den Mainstream zu fügen, dass ich darüber viele meiner eigentlichen Interessen, meine eigentlichen Vorlieben vergessen habe.

Anstatt mich im Schreiben zu üben, wie ich es gerne tagtäglich tun würde, statt mich darauf zu stürzen, mein liebstes Hobby und eines meiner grösseren Talente zum Beruf zu machen, habe ich die letzten paar Jahre an der Uni zwar wichtige und tolle Dinge gelernt, aber auch viele Dinge nicht getan, viele Grundlagen nicht gelegt, die ich gerne gelegt hätte.

Weil ich nicht als Oberstreber dastehen oder mich vor meinen Mitstudenten als Nichtwissende blamieren wollte, habe ich es vermieden, zu diskutieren. Ich habe nicht, wie ich es mir immer wieder vorgenommen habe, die Biographien meiner Lieblingsautoren gelesen – denn trotz allem habe ich immer noch Lieblingsautoren. Ich habe mir nicht erlaubt, links und rechts des Weges auch einfach mal sogenannte Trivialliteratur oder Jugendbücher zu lesen, denn schliesslich kommandierte die Uni die Klassiker als höchste Priorität. Statt meinen Interessen und meiner Intuition einfach zu folgen, habe ich das getan, was der breite Strom von mir verlangte. Und dabei mein Selbst vergessen.

Wie oft habe ich mir vorgenommen, endlich dieser Passion zu folgen und es dann doch nicht getan, weil ich Angst hatte, es könnte einfach nur das Überbleibsel eines kindischen Kleinmädchentraums sein? Wie oft habe ich es mir vorgenommen, endlich meinen Impulsen, meinen Gefühlen und Neigungen zu folgen und mich dann doch wieder von der unmittelbar bevorstehenden Notwendigkeit ablenken lassen? Nun ja, noch ist Zeit, mich anders zu entscheiden und den Worten auch Taten folgen zu lassen. Zeit, meine Entscheidung Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Angefangen habe ich immerhin schon.