Archiv der Kategorie: Tipps & Tricks

Tipps & Tricks #5: Memory Cartoons

Da ich im Moment mitten in den Prüfungsvorbereitungen stecke, wird das heute nur ein kleiner Post zu etwas, das im Moment für mich gerade hochaktuell ist. Ich habe für die Prüfung in Pädagogischer Psychologie angefangen, die verschiedenen Lerntechniken endlich zu nutzen, die mir schon seit Jahren immer wieder als besonders vorteilhaft angepriesen wurden, die ich aber aus Faulheit oder Mangel an Zeit oder weil es anstrengend gewesen wäre, sie zu lernen, konsequent ignoriert habe. Ich habe mir gesagt, dass ich wohl kaum noch eine eindeutigere Einladung erwarten könne als die 217 Folien der Übersicht, die wir (mehr oder weniger) lernen sollten.

Also zu den Memory-Cartoons: Die Methode wurde von Verena Steiner entwickelt, eine Autorin, die ich nur weiterempfehlen kann! Sie war Professorin an der ETH Zürich und hat in den letzten Jahren ein paar Bücher zu Lern- und Arbeitsstrategien geschrieben, die wirklich gut sind – in meinem Regal finden sich Exploratives LernenLernpower und seit Kurzem auch Sprachen lernen mit Power (ich bin noch nicht dazu gekommen, es durchzulesen, aber es macht einen wirklich guten Eindruck), alles tolle Bücher, die vor allem mit sehr praktischen Tipps und konkreten Vorgehensweisen zur Umsetzung aufwarten. Die Memory Cartoons stammen aus dem Buch Lernpower.

Das Prinzip ist einfach: Es ist eine Verknüpfung von Mind Mapping (meine Begeisterung dafür habe ich euch ja schon mitgeteilt) und Loci-Methode. Statt dass ihr euer Mind Map nämlich auf ein weisses Blatt Papier zeichnet, nehmt ihr ein Bild (ich finde schwarz-weiss und möglichst ohne zu viele ausgefüllte Flächen am besten) und zeichnet euer Mind Map da rein. Am besten natürlich nicht wild und ohne jeglichen Plan, sondern indem ihr bewusst bestimmte Orte auf dem Cartoon für eure „Äste“ auswählt. Das hilft anschliessend dabei, das Mind Map auswendig zu lernen (weil ich weiss, „Verstärkung“ sitzt auf dem Po der Katze und die „Reize“ sind im Ohr). Das könnte dann zum Beispiel so aussehen:

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oder so:

wpid-dsc_0494-1.jpgDass ich bei beiden Cartoons Katzen ausgewählt habe, ist eigentlich eher ein Zufall. Im Prinzip würde das Ganze auch mit Asterix, Calvin & Co. funktionieren. Verena Steiner schlägt vor, sich ein Malbuch zu besorgen und die Seiten auf A3-Format zu kopieren, um die Mind Maps dann darauf zu machen. Meine Varianten sind jetzt auf A4-Format geschrieben, weil ich finde, dass das für meinen Zweck reicht und ich keinen A3-Drucker zu Hause habe. Ich finde, die Methode hat was – vor allem macht es irgendwie Spass, lustige Figuren zu suchen und die dann mit Notizen vollzukritzeln. Folgendes habe ich schon herausgefunden:

  • lustige Bilder erhöhen den Spass- und den Merkeffekt (Grundprinzip beim Lernen mit Schlüsselwörtern und Geschichten: lustige Bilder entwickeln!)
  • Es hilft, sich schon zum Voraus zu überlegen, was alles in die Mind Map gehört. Beim zweiten Bild habe ich zum Beispiel sehr bewusst diese Katze ausgewählt, weil sie schon zwei und drei „Äste“ hatte (Vorderpfoten bzw. Hinterpfoten + Schwanz) und ich genau so etwas gebraucht habe.
  • logische (oder auch unlogische) Überlegungen bei der Platzierung von bestimmten Ästen können beim Lernen helfen. Dass „Reize“ auf dem Ohr der Katze sitzt, kann ich mir gut merken, weil das Ohr ja ein Empfänger für Reize ist. So einfach ist das. Versucht einfach, Verknüpfungen zwischen dem Ort und dem dort platzierten Stichwort zu erstellen – egal, wie doof sie sind. Ihr braucht sie ja niemandem mitzuteilen.
  • Das Suchen nach Cartoons via Suchmaschinen ist ein perfekter Prokastrinations-Grund. Also legt euch in einer ruhigen Minute mal eine kleine Sammlung an, damit ihr nicht eure wertvolle Lernzeit vergeudet 😉
  • theoretisch könnten Farben helfen, den Merkeffekt noch etwas zu verbessern. Bis jetzt habe ich das aber noch nicht ausprobiert.

Wenn jemand von euch die Methode schon kennt oder jetzt ausprobiert, lasst mir doch einen Kommentar da und sagt mir, was ihr davon hält! Ich freue mich schon auf eure Rückmeldungen 🙂

Nachtrag: Hier findet ihr noch die Kolumne von Verena Steiner im Tagesanzeiger, in der sie die Memory-Cartoons vorstellt.

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Bei dem Wetter heute hatte ich absolut keine Energie, irgendetwas sinnvolles zu tun (ausser die Steuererklärung endlich abgabefertig zu machen, aber das war ja auch nur noch ein kleiner Schritt). Zum Glück habe ich aber diesen praktischen Post auf dem UTB-Blog gefunden: Grundregeln für die wissenschaftliche Recherche (für alle, bei denen’s nicht gleich „klick“ macht: UTB, das sind die blau-roten Bücher, wie zum Beispiel die Sprachgeschichte von Wolff, die wir im ersten Semester Linguistik diachron lesen mussten – schöne Erinnerungen 😉 ). Klar, das sind grösstenteils Regeln, die man nach drei Jahren Studium beherrschen sollte, aber es kann ja nicht schaden, sich das Ganze wieder mal in Erinnerung zu rufen, oder? 🙂

Übrigens: Der UTB-Blog hat auch sonst immer wieder gute Beiträge mit Tipps und Tricks rund ums Studium.

Schönen Sonntag noch!

Tipps & Tricks #4: Citavi

Heute möchte ich euch ein Programm vorstellen, von dessen Existenz ich zwar schon seit meinem ersten Semester wusste, das ich aber bislang nicht genutzt habe  – leider. Denn eigentlich ist es eine echt geniale Sache.

Citavi ist ein Programm zur Literaturverwaltung, das aber über das Erstellen von automatischen Bibliographien weit hinausgeht. Grundsätzlich geht es einmal darum, Titel von Büchern und Artikeln, die man für eine Seminararbeit braucht, zu erfassen und daraus dann eine automatische Bibliographie zu erstellen (was bei mir aber leider noch nicht so ganz klappt). Die Titel kann man dann auch problemlos mit den Angaben zum Standort in einer Bibliothek ergänzen, man kann die Titel untereinander verknüpfen, indem man angibt, wenn ein Werk auf ein anderes verweist oder indem man Bücher mit demselben Thema die gleichen Schlagworte zuordnet.

Das ist ja alles praktisch und so, werdet ihr jetzt sagen, aber eigentlich brauche ich dazu doch kein eigenes Programm, das kann ich auch in einem Word-Dokument oder notfalls von Hand erledigen. ABER: Ein typisches Problem, das ich schon seit Studiumsbeginn bei meinen Seminararbeiten hatte, war, dass ich immer extrem viel Zeit damit vergeudet habe, in meinen Notizen nach dem Nachweis für diese oder jene Idee und für dieses oder jenes Zitat zu suchen. Auch das Erstellen der Bibliographie dauerte in der Regel ewig, weil ich ganz bestimmt bis zum Abgabetermin schon ein paar Bücher wieder hatte in die Bibliothek zurückbringen müssen und vergessen hatte, mir die genauen Angaben aufzuschreiben. Ein viel zu grosser Teil der Zeit, die ich zum Schreiben zur Verfügung hatte, ging also für Dinge drauf, die man ganz einfach hätte vermeiden können.

Für meine Bachelorarbeit habe ich jetzt angefangen, alle Werke, die mir praktisch scheinen oder die ich tatsächlich schon konsultiert habe, in einem eigenen Citavi-Projekt anzulegen. Die Titel kann man von Hand anlegen oder direkt aus dem Bibliothekskatalog importieren, was zwar viel Zeit spart, hin und wieder aber auch etwas mühsam ist, weil dann je nachdem zu viele oder zu wenige Informationen vorhanden sind, die man dann doch noch von Hand ergänzen oder löschen muss. Praktisch finde ich aber, dass man die Titel in Kategorien einteilen und so schon von Anfang an die Unterscheidung in Primär- und Sekundärliteratur machen kann. Wenn ich Bücher, die ich auf meiner Liste habe, dann tatsächlich in der Bibliothek holen möchte, kann ich mir einfach eine Literaturliste mit diesen Titeln ausdrucken und brauche nicht noch einmal die Signaturen herauszusuchen.

Wenn ich einen Artikel oder lese, kann ich gleich die jeweiligen Zusammenfassungen und Zitate verknüpft mit dem Titel abspeichern. Wenn man dann alle Notizen und Zitate noch mit Schlagwörtern versieht, kann man dann alle Zitate zu einem bestimmten Thema in einer Liste anzeigen lassen und man muss nicht erst in den Notizen zu allen Texten danach suchen. Oder ich kann mir einfach die Liste mit den Zitaten aus einem bestimmten Text ansehen. Gerade die Möglichkeit, Zitate mit Schlagwörtern zu versehen, finde ich ungemein praktisch. Wenn ich dann zu einem bestimmten Aspekt meiner Arbeit noch einmal nachlesen will, was ich in der gesamten Sekundärliteratur dazu habe, brauche ich dazu nur noch zwei Klicks statt eine mühsam von Hand erstellte Zusammenfassung.

Citavi

Citavi_2

Ich bin mir sicher, dass dieses Programm noch viele andere Funktionen hat, von denen ich bis jetzt einfach noch nichts weiss. Ich habe aber gerade heute eine Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit Citavi entdeckt, die ich mir in einer ruhigen Minute mal ansehen werde.

Wie sind eure Erfahrungen mit Literaturverwaltungsprogrammen? Welche verwendet ihr? Und seid ihr damit zufrieden?

Für die, die Citavi mal ausprobieren möchten: Hier kann man sich eine Gratis-Version mit beschränkten Möglichkeiten downloaden. Informiert euch auch mal bei euch an der Uni, viele Universitäten bieten für einige Programme kostenlose Lizenzen für Studierende an. Für die Uni Zürich kann man diese Lizenzen auf der Seite der Informatikdienste finden.

Lerntipps auf Youtube

Wo kriegt man gute Ideen und Informationen zum Lernen und Studium allgemein her? Diese Frage stelle ich mir in letzter Zeit immer wieder, vor allem aus persönlichem Interesse, aber auch für diesen Blog. Eine gute Quelle, auf die ich schon vor einer Weile gestossen bin, ist der Youtube-Kanal des Long Beach City College. Dort gibt es unter anderem Videos zu Workshops wie „Taking Better Lecture Notes“ oder „Great Ways To Study„. Ich finde, der Dozent hat eine sehr angenehme Art, die Lerntipps rüberzubringen. Und sein Englisch ist meiner Meinung nach sehr gut verständlich, sogar für nur Hollywood-Englisch-Erprobte wie mich. Doppelter Pluspunkt also. Die Videos sind meistens 45 Minuten lang, entsprechen also einer Uni-Lektion. Das ist viel Zeit, ich weiss, und es wird noch viel länger, wenn man, wie ich, hin und wieder auf „Pause“ drückt, um Notizen zu machen (ich wünschte, so einen Knopf gäbe es auch für manche Profs). Aber ich habe ein weniger schlechtes Gewissen, meine Zeit mit so einem Video zu „verplempern“, als irgendwelche Serien zu schauen.

Als Einstieg eignet sich besonders das Video „Habits of Successful College Students„. Es zeigt einige Gewohnheiten auf, die man eigentlich als selbstverständlich erachten könnte, die aber immer wieder vergessen gehen und die, auch wenn man sie nicht alle zu hundert Prozent einhält, schon sehr viel zu einem erfolgreichen Studium beitragen können. Insbesondere Punkt eins, das Studium wie einen richtig wichtigen (und gut bezahlten) Job betrachten, geht bei mir immer wieder vergessen. Ich muss mich manchmal richtiggehend zwingen, das Studium nicht als Zwang zu erachten, sondern als Geschenk und als mein eigener Wunsch. Im Grunde zwingt mich ja niemand ausser mir selbst, das durchzuziehen. Es ist gut, hin und wieder daran erinnert zu werden, denn es macht das ganze Studium zwar nicht einfacher, aber ist doch eine starke Motivation, Zeit zu investieren, obwohl doch all die anderen Dinge so verlockend wären.

Wenn ihr also mal ein wenig Zeit zu verplempern habt oder einfach eine Ablenkung braucht, aber Fernsehen mit einem schlechten Gewissen verbunden wäre, schaut da mal rein – es lohnt sich! Und lasst mich wissen, ob ihr noch mehr solche Tipps wollt. Für Feedback bin ich immer dankbar 🙂

Tipps & Tricks #3: Lernkartei

Die Lernkartei ist einer meiner ältesten und treusten Weggefährten wenn es ums Lernen geht. Ich habe damit meine ersten Französischwörter gelernt, später auch Latein und Englisch, Bio, Begriffsdefinitionen für die Einführungsvorlesung Literaturwissenschaft, Daten für die Literaturgeschichtsprüfung und noch vieles mehr. Eine einfache, unterhaltsame und immer wieder tolle Einführung in die Lernkartei bietet das Buch So lernt man lernen von Sebastian Leitner. Zwar schon etwas älter, aber die Tatsache, dass 2011 die 18. Auflage erschienen ist, spricht wohl für sich.

Lernkartei in der Plastikversion - noch nicht ganz voll.

Lernkartei in der Plastikversion – noch nicht ganz voll.

Die Lernkartei funktioniert eigentlich ganz einfach. Alles, was man braucht, ist eine lange Kiste mit fünf Fächern. Dabei sollte das erste Fach das schmalste sein, das zweite ist doppelt so breit, das dritte nochmals doppelt so breit, das vierte wieder etwas breiter und das fünfte ist das allerbreiteste. Man kann die Lernkartei für A7- oder A8-Kärtchen machen. Für einfachere Dinge wie Vokabeln finde ich A8 ganz ok. Sobald es um Begriffsdefinitionen und Ähnliches geht, empfehle ich ganz dringend A8. Man kann die Lernkartei selbst aus Karton oder Holz (vorsicht, das wird schwer!) basteln oder auf die im Handel erhältlichen Varianten ausweichen. Bei letzteren ist man mit der Aufteilung der Fächer nicht mehr ganz so flexibel, aber bis jetzt hat es bei mir auch immer geklappt. Und wenn es gar nicht geht, habe ich mir auch schon mit einfachen kleinen Kartonboxen beholfen. Die sind zwar eigentlich zu klein, um eine komplette Lernkartei zu beinhalten, aber zur Not reicht das auch.

Geht im Notfall auch: kleine Kartonbox

Geht im Notfall auch: kleine Kartonbox

Auf einfache Karteikärtchen schreibe ich jetzt meine Vokabeln. Immer auf der einen Seite das deutsche Wort und auf der anderen Seite das Wort in der Fremdsprache. Meiner Erfahrung nach ist es am besten, wenn man dann noch einen kleinen Beispielsatz dazuschreibt, um auch den Kontext gleich mitzulernen. Nach Leitner ist es sinnvoll, nicht mehr als 30 neue Vokabeln zu lernen. Ich hab das nicht überprüft, denke aber, dass das eine gute Faustregel ist. Die neuen Vokabeln kommen immer ins erste Fach. Dann ist das System ganz einfach:

  • Ich nehme das erste Kärtchen aus dem ersten Fach. Wenn ich die richtige Übersetzung wusste, kommt das Kärtchen ein Fach weiter, wenn nicht, wieder ganz hinten ins erste Fach. Das mache ich so lange, bis im ersten Fach nur noch ca. drei Kärtchen übrig sind.
  • Die hinteren Fächer werden jeweils erst bearbeitet, wenn sie voll sind (was für das letzte Fach ziemlich lange dauern könnte). Ich nehme jeweils ungefähr so viele Kärtchen, wie im ersten Fach Platz haben. Was ich konnte, kommt ein Fach weiter, was ich nicht wusste, zurück ins erste Fach.

Natürlich kann es passieren, dass das erste Fach mit „alten“ Vokabeln bereits relativ gut gefüllt ist und man nicht mehr 30 neue Vokabeln pro Tag lernen kann. Das passiert mir immer dann, wenn ich nicht jeden Tag lerne.

Die Lernkartei hat für mich folgende Vorteile:

  • Man hat automatisch einen Rhythmus beim Repetieren. Ich verschwende keine kostbare Zeit damit, das zu repetieren, was ich schon kann und bekomme stattdessen, das was ich noch nicht kann, ständig vor Augen geführt.
  • Ich bin gezwungen, früh mit dem Lernen anzufangen. Die Lernkartei ist kein System zum kurzfristigen Lernen.
  • Ich muss meinen Lernstoff aktiv bearbeiten (aufschreiben!) und in kleine, verdaubare Häppchen aufteilen. Das beinhaltet auch, zu entscheiden, was wichtig und was unwichtig ist und das Material wiederum in eigenen Worten zusammenzufassen. Im Grunde lerne ich schon ziemlich viel, bevor ich das Kärtchen zum ersten Mal aus der Lernkartei ziehe.
  • Im Grunde kann ich meine Lernkartei überallhin mitnehmen. Wenn es sein muss und ich nicht allzu viel Zeit zum Lernen habe, kann ich auch „nur“ den Inhalt von zwei Fächern mitnehmen und bin ziemlich lange beschäftigt.

Im Grunde ist die Lernkartei einfach eine Art Maschine, die mich dazu zwingt, den Stoff in einigermassen sinnvollen Abständen zu repetieren, damit ich ihn im Langzeitgedächtnis abspeichern kann. Was ich ausserdem damit mache, ist mir selbst überlassen. Man kann zum Beispiel auch zusätzlich mit Mnemotechniken arbeiten, die das Lesen erleichtern. Und man kann die Wörter auch gaanz schnell wieder vergessen (oder ins Unbewusste absinken lassen) wenn man will.

Auf jeden Fall denke ich, dass es nie schaden kann, die Lernkartei im Repertoire der Lerntechniken zu haben. Man kann sie zwar wirklich nur zum Auswendiglernen benutzen, aber gerade dafür ist sie umso besser geeignet.

Tipps & Tricks #2: Mind Mapping

In der letzten Woche habe ich für mich eine Technik wieder entdeckt, die ich im Gymnasium ziemlich intensiv genutzt und danach völlig vergessen habe: Mind Mapping.  Ich hatte durch meinen Vater das Glück, schon relativ früh (in der 7. Klasse) intensiv mit Mind Maps in Berührung zu kommen (insbesondere auch mit Programmen, um diese am PC zu erstellen). In der Schule waren besonders meine Mind Maps für Geschichte bei manchen meiner Klassenkameradinnen sehr beliebt, um kurz vor der Prüfung nochmals einen Überblick übers Thema zu bekommen. Ich dagegen musste in der Regel, wenn ich das Mind Map mal gemacht hatte, kaum noch etwas für die Prüfung tun, weil ich alles Material schon ziemlich intensiv durchgearbeitet hatte. Die grösste Mind Map, die ich je erstellt habe, war wohl diejenige für die Deutschmatura. Selbst auf zwei A3-Seiten erstreckt waren die Infos kaum noch zu lesen. Aber ich hatte alles, was ich zur deutschen Literaturgeschichte wissen musste, auf ein einziges Schema gebracht, das ich mir dann in meinem Zimmer aufgehängt habe und so jeden Tag anschauen konnte.

Das Prinzip eines Mind Maps ist im Grunde ganz einfach: In die Mitte kommt das Thema – z.B. „Deutsche Romantik“. Von diesem Hauptthema gehen verschiedene Hauptäste ab, welche die Oberbegriffe beinhalten, z.B. „Autoren“, „Motive“ etc. Dann mache ich zu diesen Hauptzweigen Unterzweige mit Schlüsselwörtern und so weiter – solange, bis ich alle Infos, die ich brauche, auf der Mind Map aufgezeichnet habe. Die Infos werden immer in Form von Stichworten oder Satzfragmenten aufgelistet. Dabei muss ich mich aber natürlich nicht auf einfache hierarchische Beziehungen beschränken. Mit Hilfe von Pfeilen, Anmerkungen, Symbolen usw. kann ich weitere Infos einfügen, Zusammenhänge zwischen nicht hierarchisch verbundenen Zweigen herstellen oder ganz einfach signalisieren, wo die Prioritäten eines Themas liegen. Meiner Kreativität sind im Grunde keine Grenzen gesetzt.

Oft mache ich statt „normaler“ Zusammenfassungen in Textform Mind Maps. Ich werde dabei dazu gezwungen, den Text in eigene Worte zusammenzufassen, weil ich ja nicht ganze Sätze kopieren kann/will. Ausserdem fällt es mir leichter, die grösseren Zusammenhänge und das Ganze im Blick zu behalten. Dabei kann ich relativ leicht das Thema umstrukturieren, gerade, weil ich ja oft am PC arbeite und so die Map so oft umstellen kann wie ich will. Für mich als eher visuell orientierten Menschen ist die Form der Maps natürlich besonders toll, weil ich so Schrift und Bild quasi verbinden kann. Meistens kratze ich dabei nur an der Oberfläche der Möglichkeiten der Mind Maps, weil ich wenig Symbole, Farben oder Zeichnungen verwende.

Ein Beispiel für ein Mind Map, das ich im Gymnasium gemacht habe - ziemlich simpel eigentlich. Vorsicht, grosse Datei!

Ein Beispiel für ein Mind Map, das ich im Gymnasium gemacht habe – ziemlich simpel eigentlich. Vorsicht, grosse Datei!

Natürlich sind die Einsatzgebiete von Mind Maps nicht nur auf Zusammenfassungen und Themenübersichten beschränkt. Man kann damit auch Vorlesungsnotizen machen, Sitzungen vorbereiten, To Do-Listen erstellen, Projekte planen und noch vieles mehr. Am besten ist einfach, man versucht es einfach mal. Ansonsten gibt es auch gaaanz viel Literatur zum Thema und für diejenigen, die gerne einen Punkt zum Anfangen hätten, habe ich folgende Tipps:

  • Ich habe das Mind Mapping mit Hilfe des Buches von Mogens Kirckhoff gelernt. Leider ist das Buch soweit ich gesehen habe nicht mehr verfügbar. Da ich es aber als sehr gute und gründliche Einführung in Erinnerung habe, gebe ich euch doch mal die genauen Angaben, vielleicht ist es ja irgendwo noch gebraucht zu kriegen:
    Kirckhoff, Mogens, Mind Mapping, GABAL Verlag, 2004. ISBN: 978-3-923984-80-0 .
  • Tony Buzan wird oft als „Vater“ oder sogar „Erfinder“ des Mind Mapping bezeichnet. Er hat ausserdem verschiedene Bücher zu Speed Reading und Mnemo-Techniken geschrieben. Auf seiner Homepage gibt es diverse Infos zu seinen Büchern und Kursen (alles in Englisch!) und eine Anleitung, wie man Mind Maps macht (Menu-Punkt „About – Mind Mapping“).
  • Hier gibt es eine einfache, kurze Anleitung zum Mind Mapping auf Deutsch (dabei merke ich gerade, dass ich eine der Hauptregeln, nämlich nur Schlüsselwörter zu verwenden, schon seit Jahren missachte – ups).
  • Gebt einfach mal bei Google Images den Suchbegriff „Mind Maps“ (oder eine Variation davon) ein. Da tauchen unzählige tolle Beispiele auf, von denen man sich gerne inspirieren lassen kann.
  • Zum Erstellen von Mind Maps am PC verwende ich den MindManager. Die Studentenversion ist einigermassen bezahlbar (Betonung auf einigermassen – ähem), die normale dafür unglaublich teuer.  Ich habe aber mal gesehen, dass einige Unis und Hochschulen Gratis-Lizenzen für die Studenten anbieten. Leider ist die Seite in der Zwischenzeit unauffindbar. Es lohnt sich trotzdem, mal nachzufragen.
    Ansonsten gibt es diverse Gratis-Programme und andere, die nicht ganz so teuer wie MindManager sind. Einen Überblick über einige davon findet ihr hier.

Viel Spass beim Ausprobieren!

Tipps & Tricks #1

Schon mehrere Französischdozenten haben mir den Tipp gegeben, ein Heft zu führen, in dem ich Ausdrücke, Satzkonstruktionen, Einleitungssätze etc. aufschreiben kann. Das Prinzip ist einfach: Jedes Mal, wenn ich in einem Artikel eine Konstruktion, einen Ausdruck etc. sehe, der mir gefällt und den ich selber gerne benutzen würde, schreibe ich den in ein Heft (bei mir ist es ein einfaches Notizbuch mit Spiralbindung), wo ich dann bei Bedarf – zum Beispiel, wenn ich eine Seminararbeit schreibe und nach einer eleganten Alternative für meine Standard-Ausdrücke suche – nachsehen kann. Ich persönlich habe die Einträge nicht geordnet, aber man könnte zum Beispiel Einleitungssätze, Abschlusssätze, Einleitungen für Argumente, einzelne Ausdrücke etc. abtrennen. Das macht es einfacher, zu einem bestimmten Bedarf den entsprechenden Ausdruck zu finden. Aber auch so hilft mir dieses Heft, etwas aufmerksamer auf sprachliche Eigenheiten der Autoren zu achten und daraus zu lernen.

Dieser Tipp ist meiner Meinung nach besonders für Fremdsprachenstudenten geeignet, kann aber durchaus von allen Studenten (und Schülern!) angewendet werden, die selbständig Texte schreiben müssen. Das Heft dient dann nicht nur als Referenz, sondern auch ganz einfach als Gedächtnisstütze: Was ich einmal aufgeschrieben habe, vergesse ich nicht mehr so schnell.