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Tipps für Erstsemester

Nächste Woche fängt das Herbstsemester an und damit werden viele neue Studis ihren Weg an die UZH und andere Unis und Fachhochschulen finden. Ich weiss noch, dass ich vor meinem ersten Tag an der Uni unglaublich nervös war (wiederkehrende Träume davon, wie ich ohne mein Bahnticket nach Zürich fahre oder versehentlich im falschen Vorlesungssaal lande oder zu spät komme). Aber zum Glück ging’s dann mit dem Eingewöhnen ganz schnell. Und da ich ja jetzt schon ein paar Jahre dabei bin, möchte ich mal ein paar Weisheiten weitergeben in der Hoffnung, dass es jemandem etwas nützen könnte.

1. Keine Panik!
Es geht noch unzähligen anderen genau gleich wie dir: Sie kennen niemanden, haben keine Ahnung, wohin sie müssen und wie das alles hier funktioniert. Ausserdem bedeutet der erste Tag an der Uni für so ziemlich jeden den Start in ein neues Leben – egal, ob sie gerade Matura oder Abitur gemacht oder schon zehn Jahre irgendwo gearbeitet haben und jetzt einen Richtungswechsel vornehmen wollen. Vermutlich sind alle deshalb etwas unsicher. Du wirst garantiert bald ein paar Gleichgesinnte finden und die ersten Wochen sind die beste Zeit dafür! Also versuch, deine Schüchternheit für ein paar Sekunden zu vergessen und frag die sympathische Banknachbarin oder den Banknachbarn, ob du ihr/ihm beim Mittagessen Gesellschaft leisten darfst. Und schon hast du deinen ersten Kontakt geknüpft.

2. Geh in die Vorlesung!
Vor allem in der ersten Woche hilft das nicht nur dabei, die Panik zu bekämpfen, sondern du kriegst dort auch die absolut überlebenswichtigen Informationen (zu Leistungsnachweisen, Podcasts, online verfügbaren Präsentationen oder Zusatzmaterial etc.). In Seminaren werden ausserdem in der ersten Stunde meist die Referatsthemen vergeben – also gib dich nicht mit den paar Krumen zufrieden, die die anderen dir übriglassen (das erste Referat in der zweiten/dritten Woche oder das langweilige Thema, das keinen interessiert).
Auch während des restlichen Semesters ist Präsenzzeit meistens gut investierte Zeit. Du musst nicht den Notizen anderer nachrennen und sparst dir ganz nebenbei auch noch ein paar Stunden Lernaufwand für die Prüfung (weil du ja alles schon mal gehört hast).

3. Geh ins Tutorat!
Wenn du das Glück hast, dass ein Tutorat für deine Vorlesung angeboten wird und du da nicht schon eine andere Vorlesung oder einen anderen überlebenswichtigen Termin hast – GEH. HIN! Ich hab ein paar Tutorate verpasst und glaub mir: Gratis-Tipps von älteren/erfahreneren Studenten und ein paar Stunden Prüfungsvorbereitung weniger sind einfach unbezahlbar! Meistens haben Studenten, die im Tutorat waren, die besseren Noten bei der Prüfung als Studenten, die das Tutorat sausen liessen.

4. Mach mit! Stell Fragen! Geh in die Sprechstunde!
Vor allem wenn der Leistungsnachweis eine Seminararbeit (schriftliche Hausarbeit) ist, kann dir die Sprechstunde und ein paar gut platzierte Fragen in der Lektion einige Bonuspunkte einbringen. Wenn du weisst, wo der Prof seine Schwerpunkte setzt und wie seine Anforderungen genau aussehen, fällt es dir schon viel leichter, eine gute Arbeit zu schreiben. Ausserdem neigen Profs dazu, Studenten, die sie bereits im Unterricht positiv wahrgenommen haben, auch bei der Seminararbeit gut zu bewerten.
(Aber sei bitte nicht der nervtötende Student, der jedes Mal eine superdoofe Frage stellt, nur um gefragt zu haben und der in der Lektion vor der Prüfung alle mit Detailfragen – sprich: „dieser eine Abschnitt auf Seite 387 unten, müssen wir den lernen?“ – in den Wahnsinn treibt!)

5. Such dir ein paar Freunde zum Lernen
Dafür gibt es mehrere Gründe: Erstens macht es in der Gruppe mehr Spass. Zweitens kannst du dir so von anderen die Dinge erklären lassen, die du den Prof nicht fragen willst oder kannst umgekehrt deinen Freunden helfen (man lernt unglaublich viel, wenn man anderen etwas erklärt). Drittens sind Verabredungen zum Lernen mit anderen verbindlicher, als wenn man nur mit sich selbst etwas ausmacht. Viertens sind Lerngruppen eine tolle Gelegenheit, um Leute kennenzulernen.

6. Meide mittags um 12 die Mensa!
Die ist dann einfach rappelvoll. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen.

7. Die Uni ist nicht nur zum Studieren gut
Such dir ein paar Gleichgesinnte, nutze das Sportangebot, die (meistens) kostenlosen Sprachkurse oder erkunde mal deine Unistadt als Tourist! Es gibt so viel zu entdecken und zu tun! Geniesse diese Zeit, es wird die intensivste, anstrengenste, ermüdenste und die absolut beste Zeit deines Lebens!

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Zurück aus der Sommerpause

Oder so… Von Sommer war hier in der Schweiz ja nicht viel zu spüren. Der letzte Monat ist irgendwie auch einfach an mir vorbeigezogen. Irgendwann kam mal noch die Note von der Bachelorarbeit – überraschend gut – und danach habe ich irgendwie abgeschaltet. Seit Ende Juli war ich zwar konstant beschäftigt, aber gemerkt, wie die Zeit vorbeiging, habe ich deshalb trotzdem nicht. Irgendwie geht mir auch erst jetzt so richtig auf, dass ja in vier Wochen schon Semesterstart ist und ich mir vielleicht so ganz langsam Gedanken darüber machen sollte, was im nächsten halben Jahr überhaupt läuft. Aber erstmal ein kleines Update, was mich den letzten Monat überhaupt vom Schreiben abgehalten hat:

Erstmal war eine Freundin aus Polen zu Besuch, mit der ich ein wenig die Schweiz (neu) entdeckt habe. Unter anderem waren wir zwei Tage in Lausanne – es war fantastisch! Als wäre ich nie weggewesen – am liebsten wär‘ ich auch gleich geblieben, ich liebe diese Stadt einfach. 

Dann musste ich packen – einmal für den Umzug nach Zürich und einmal fürs WWF-Lager Anfang August. Mein sonst schon winziges Zimmer war komplett zugestellt mit Kisten und meinem niegelnagelneuen 50l-Rucksack (der sich super bewährt hat). Eigentlich packe ich ja gerne, aber vor allem die Kisten haben mich irgendwie genervt. Vor allem war ich bis zum Schluss unsicher, was ich jetzt mitnehmen sollte und was nicht (ich habe auch schon wieder eine ziemlich lange Liste mit Dingen, die ich von zu Hause noch mitnehmen muss).

Dann war’s Zeit für eine Woche WWF-Lagerleitungskurs. Ich habe mich irgendwann letztes Semester dafür entschieden, diese Ausbildung zu machen und künftig WWF-Kinder- und Jugendlager zu leiten (wen’s interessiert: hier gibt’s Infos dazu), weil ich mal etwas anderes machen wollte. Und es war eine gute Entscheidung! Die Woche war irgendwie surreal, halb wie damals, als wir im Klöntal zwei Wochen lang „Schiitli-Vertschutte“ (ein bisschen wie Verstecken, nur cooler) gespielt haben und halb eine ganz intensive Ausbildung. Einerseits war ich danach ganz und gar kaputt und müde, andererseits wäre ich gern noch länger geblieben, einfach weil’s so schön war. Ich freue mich darauf, in Zukunft neben dem Studium noch etwas ganz anderes zu haben, und sei’s nur einmal im Jahr. Und wenn ich ehrlich bin: Es ist einfach toll, mal wieder wie die Kinder durch den Wald zu toben, Zwergenhäuser zu bauen und Salben aus selbstgesammelten Kräutern zu kochen. Das Lager war definitiv das Highlight des Sommers.

Ja, und dann kam auch schon der Umzugstermin. Leider war der Lift kaputt (ist er immer noch), sodass wir die Kisten alle in den fünften Stock schleppen durften. Zum Glück gibt’s Väter und Mitbewohner. Die letzte Woche war ich dann damit beschäftigt, mich hier einzugewöhnen. Ich habe acht Mitbewohner und bin die einzige Geisteswissenschaftlerin in der WG, zumindest bis jetzt. Im September kriegen wir vier neue Mitbewohner, von denen wir drei nicht kennen, weil sie von der Verwaltung zugewiesen werden (lange Geschichte). Deshalb ist’s auch ein wenig ungewohnt, aber das wird schon. Die Gegend ist jedenfalls toll, am Stadtrand von Zürich, mitten im Grünen und die Leute grüssen sogar auf der Strasse (!). Jap, es gefällt mir hier.

Und ja, bald fängt die Uni wieder an. Und weil am Montag Schulanfang war, fange ich diese Woche auch wieder an, Nachhilfekurse zu geben. Langweilig wird mir immer noch nicht, denn einer meiner Kurse dieses Jahr ist 10. Schuljahr und dafür muss ich die komplette Planung selbst machen. Eine echte Herausforderung! Aber darüber werde ich euch später berichten. 

Austauschsemester Teil 2

In meinem vorletzten Post hatte ich versprochen, dass ich mich noch zu einzelnen Punkten meines Austauschsemesters etwas ausführlicher äussere. Hier also noch ein paar Erfahrungen mehr und die Tipps, die ich Leuten geben möchte, die das Abenteuer noch vor sich haben. (Vorsicht! Extrem langer und textlastiger Post – ich hab während des ganzen Jahres fast keine Fotos gemacht…)

Die Uni
Die UNIL (Université de Lausanne) ist im Vergleich zur UZH schon ziemlich klein (ungefähr halb so viele Studenten). Das macht sich vor allem darin bemerkbar, dass die Anzahl der angebotenen Seminare z.B. für Deutsch viel kleiner ist – in Französisch dafür  umso grösser. Allerdings finde ich, dass die ganze Sache viel familiärer bleibt. Man trifft viel öfter die gleichen Studenten in den verschiedenen Vorlesungen und die Professoren scheinen sich näher an den Studenten zu bewegen als in Zürich.
Was ich an der Uni Lausanne besonders gemocht habe, war der tolle Campus. Im Gegensatz zur Uni Zürich sind hier alle Gebäude auf einem einzigen Gelände verteilt. Dazwischen gibt es grosse Grünflächen – im Grunde hat man meist das Gefühl, irgendwo auf dem Land zu sein. Und einmal pro Woche gibt es sogar einen Markt (den ich allerdings – Schande über mich – nie besucht habe)!

Lehrveranstaltungen
Vom Aufbau her waren die Lehrveranstaltungen praktisch gleich wie in Zürich. Es gab Vorlesungen, Seminare und sogenannte „Travaux pratiques“, die so ähnlich sind wie die Proseminare am Romanischen Seminar in Zürich. Das heisst, kleine Gruppen, viele Übungen und auch Zeit zum Fragen stellen. Generell war der Arbeitsaufwand für die Anzahl Credits viel kleiner als am Romanischen Seminar der UZH (ist ja auch nicht schwierig). Aber wenn man alle Texte gelesen und Zusatzaufgaben gemacht hätte, welche die Dozenten jeweils noch empfohlen haben, dann wäre auch da der Aufwand nicht mehr zu überblicken gewesen (wie es eben so ist an der Philosophischen Fakultät).
Am Anfang hatte ich noch ein wenig Mühe, dem Sprechtempo der französischsprachigen Professoren zu folgen. Rücksicht auf fremdsprachige Studierende? Fehlanzeige. „Vous avez choisi un cours pour des francophones, alors on attend de vous un niveau de français égal aux francophones“ (oooh ja, das waren die Worte der Dozentin). Meine etwas begrenzten Sprachkenntnisse haben sich dann auch in meinen Notizen bemerkbar gemacht, die letztendlich alles andere als vollständig waren. Meine Empfehlung deshalb: entweder die Vorlesungen mit einem Aufnahmegerät aufzeichnen oder sich jemanden suchen, von dem man die Notizen kopieren kann.
Im Allgemeinen sollte man auf keinen Fall erwarten, dass man im Austauschsemester exakt die gleichen Leistungen bringen kann wie an der Heim-Uni. Neben den oftmals begrenzten Sprachkenntnissen trägt natürlich auch die Tatsache, dass man die Uni und die Dozenten noch nicht so gut kennt, zu etwas „schwächeren“ Leistungen bei. Also: es gilt, die Erwartungen etwas zurückzuschrauben und die Feedbacks umso ernster zu nehmen, um möglichst viel lernen zu können. Letztendlich sind wir ja nicht nur zum Credits jagen im Austausch, oder?

Drumherum
Das Freizeitangebot an der UNIL ist natürlich, bedingt durch die kleinere Anzahl Studenten, viel kleiner als in Zürich. Man kann aber genauso Sport machen, es gibt ein Theater und diverse andere Angebote. Folgendes hab ich ausprobiert und ich kann es nur weiterempfehlen:
Da ist zunächst die Aumônerie. Das ist im Prinzip die Uni-Seelsorge, was aber überhaupt kein Grund ist, abgeschreckt zu sein, denn sie ist auch viel mehr als das. Sie richtet sich ausdrücklich an Studenten aller Glaubensrichtungen, ob sie nun praktizieren oder nicht und ist vor allem ein Ort der Begegnung. Zum Semesterstart gibt es ein „Raclette d’Accueil“, jeden Montag ein von Studenten zubereitetes Mittagessen, zu dem jeweils Leute aus aller Herren Länder kommen und das viel gemütlicher ist als die Mensa, ausserdem Diskussionsrunden, Reisen und noch vieles mehr. Ich hab „nur“ beim Gospel-Chor mitgemacht und ich würde mal behaupten, ohne das wäre mein Jahr in Lausanne nur halb so toll gewesen. Und als ich gehört habe, was andere Studenten, die mehr mitgemacht haben, als ich, alles erlebt haben, war ich hin und weg.
Für Erasmus-Studenten werden ausserdem vom Bureau des Affaires Socio-Culturelles Ausflüge an verschiedene touristisch interessante Orte in der Westschweiz organisiert. Ich war zum Beispiel in Gruyères mit dabei und es war echt toll organisiert, mit Führung auf dem Schloss und im Cailler-Werk usw. Die Teilnahmegebühr von 20 Fr. hat sich nur schon für das Mittagessen gelohnt – so ein richtig gutes Fondue ist einfach unschlagbar. Selbst wenn meine Tischnachbarn. Leider sind die Schweizer Austauschstudenten nicht auf den Mailinglisten, aber wenn man anderweitig von den Ausflügen erfährt, kann man sich trotzdem problemlos einschreiben.

Die Stadt
Lausanne ist eine kleine, aber feine Stadt, die so einiges zu bieten hat. Es gibt alles, was das Shopping-Herz begehrt, man kann auch problemlos mal auswärts essen (ich hab nicht viel ausprobiert, deshalb kann ich nur das Holy Cow empfehlen – da gibt’s auch einen ganz tollen Veggie-Burger) und das Kulturangebot ist riesig. Wenn ich gewollt hätte, wäre ich wohl jedes Wochenende an irgendeinem Konzert, einer Theateraufführung oder in der Oper gewesen. Da rede ich nur von dem, was ich mitgekriegt habe – und das war längst nicht alles!
Auch sonst ist Lausanne schön. Der See ist vom Stadtzentrum aus in ca. 10-15 Minuten mit Metro oder Bus zu erreichen, es gibt viel Platz zum Sport treiben, von Ouchy bis Vidy ist das Seeufer einfach nur eine wunderschöne Naherholungszone. Ich empfehle, sich nicht von den steilen Wegen in der Innenstadt abschrecken zu lassen und die Stadt zu Fuss zu erkunden. In einer Stunde kommt man schon ziemlich weit herum und es gibt abseits der Buslinien einiges zu entdecken. Wer ein paar Inspirationen für Strecken braucht, findet sie hier (mein persönliches Highlight war eindeutig die Kathedrale – nur schon die Aussicht auf dieses imposante Gebäude, die ich jeden Tag geniessen durfte war atemberaubend).

Die Kathedrale - von der "anderen" Seite genauso eindrücklich.

Die Kathedrale – von der „anderen“ Seite genauso eindrücklich.

Tipps
Ein Austauschsemester will vorbereitet sein – es lohnt sich auf jeden Fall, frühzeitig ein paar Infos über die Uni und die Stadt einzuholen und sich ein wenig schlau zu machen über ÖV, mögliche Ausflugsziele etc. (vor allem, wenn man nicht so oder so schon in der Schweiz wohnt). Besonders, wenn man gerne auch etwas von der Umgebung sehen möchte, lohnt es sich, vorauszuplanen und schonmal ein paar Ziele festzulegen. Sonst ist das Semester um und man hat noch nichts gesehen.

Die Wohnlage in Lausanne ist ziemlich prekär, die Wohnungen in der Regel ziemlich teuer und schwer zu kriegen. Eine Alternative (insbesondere für Erasmus-Studenten) sind die Wohnheime, die aber in der Regel auch ziemlich gut ausgebucht sind. Besonders schwierig wird es, wenn man ein Stück weg wohnt und nicht immer gleich spontan zur Wohnungsbesichtigung kann. Mein Freund und haben uns deshalb für ein paar Tage auf dem Campingplatz eingerichtet und sind dann von da aus jeweils zu den Wohnungsbesichtigungen gefahren.

Wenn die Möglichkeit besteht – geh arbeiten! Ich habe nirgends so viel Gelegenheit gehabt, zu reden und mein Französisch zu üben, als bei meinem Job bei Manor. Und das extra-Geld war es auch wert 😉

Lass es dir auch mal gut gehen. Ein Austauschsemester, das nur mit Arbeiten verbracht wird, ist nur halb so toll. Es geht doch auch darum, neue Leute kennenzulernen und einmal seinen Spass zu haben! Und wer weiss, wann man das nächste Mal Gelegenheit hat, die Gegend um die Gastuni zu erkunden?

Austauschsemester in Lausanne

Es war schon immer ein grosser Traum von mir, einmal ein Austauschjahr zu machen. Leider hat es am Gymnasium nicht geklappt und danach war das Ganze fürs erste einfach mal vergessen. Als ich aber angefangen habe, Französisch zu studieren, habe ich beschlossen, dass dieser Traum jetzt endlich in Erfüllung gehen sollte. Der Plan wurde prompt in die Tat umgesetzt und vor knapp neun Monaten habe ich also vom Zürichsee an den Genfersee gewechselt und zwei Semester an der Uni Lausanne studiert. Nun sind diese zwei Semester schon beinahe wieder vorbei (in einer Woche wird gezügelt 😦 ). Diesen Anlass nutze ich nun, um die letzten neun Monate Revue passieren zu lassen.

Allein schon dafür, ein knappes Jahr lang diese Aussicht zu haben, hat es sich gelohnt, nach Lausanne zu fahren

Allein schon dafür, ein knappes Jahr lang diese Aussicht zu haben, hat sich der Austausch gelohnt

Am Anfang war ich noch ziemlich nervös: Ich habe bisher immer bei meinen Eltern gewohnt und abgesehen von den vier Wochen Sprachschule in Frankreich war ich noch nie längere Zeit von zu Hause weg. Die Tatsache, dass mein Freund mich begleitet hat, hat alles zwar doch um einiges erleichtert. Glücklicherweise haben wir auch eine tolle Wohnung ganz in der Nähe des Stadtzentrums gefunden, also stand einem tollen Jahr eigentlich nichts mehr im Weg. Abgesehen von ein paar Heimwehattacken dann und wann und den (schon fast alltäglichen) Kämpfen gegen die mir ungewohnte Verwaltung an der Uni Lausanne war die ganze Übung dann doch ein ziemlicher Erfolg.

Tatsache ist, dass die meisten Austauschstudenten, die nach Lausanne kommen, praktisch niemanden kennen. Also ist es gerade am „Journée d’accueil“, der Informationsveranstaltung für alle neuen Austauschstudenten, ganz einfach, ein paar Leute zu treffen, mit denen man dann später die Stadt unsicher machen kann. Auch die „Einheimischen“ waren meistens ziemlich offen und fast immer bereit, mir mal mit ein paar Notizen auszuhelfen oder eine meiner Arbeiten durchzulesen oder mir mit ein paar zusätzlichen Informationen das Leben zu erleichtern. Selbst die Dozenten hatten meist Verständnis dafür, dass ich manchmal etwas länger brauchte als meine französischsprachigen Mitstudenten. Nur beim Korrigieren der Arbeiten waren sie dann nicht mehr ganz so rücksichtsvoll. Die mussten genauso perfekt sein wie die Arbeiten der anderen. Ich sollte dabei noch anmerken, dass ich fast nur Module aus dem Programm Französisch für Muttersprachler gewählt habe. Also sind die Ansprüche an mein Sprachniveau absolut berechtigt.

Je länger ich aber in Lausanne war, desto besser hat mir die Stadt gefallen, desto mehr habe ich mich hier zu Hause gefühlt. Glücklicherweise hatte ich auch den Mut, mich hier einem kleinen Gospelchor anzuschliessen und in den Semesterferien sogar an einem grösseren musikalischen Projekt mitzuwirken, nachdem ich seit der Matura keine Musik mehr gemacht hatte (dabei war das immerhin mein Schwerpunktfach). Allein schon deswegen hat es sich gelohnt, nach Lausanne zu kommen.

Aber auch sonst hat dieses Jahr in der Westschweiz mir einiges beigebracht. Vor allem hat die viel lockerere Art der Romands auf mich abgefärbt. Ich nehme viele Dinge jetzt nicht mehr so eng (auch wenn ich mich immer noch allzu schnell stressen lasse) und habe gelernt, trotz meiner Streber-Attitüde das Leben auch mal zu geniessen. Und ich bin zum ersten Mal durch eine Prüfung an der Uni durchgefallen. Auch diese Erfahrung sollte mal sein 😉

Ein Austauschjahr ist meiner Meinung nach immer eine gute Sache. Und Lausanne kann ich nach meiner Erfahrung absolut empfehlen.

In einem späteren Post werde ich dann noch auf einzelne Aspekte meines Austauschsemesters genauer eingehen und ein paar kleine Tipps verraten.