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Übungslektionen

Als angehende Lehrerin muss ich im Rahmen des ersten Fachdidaktik-Moduls fünf Übungslektionen halten. Die erste hatte ich letzten Donnerstag, gestern die zweite – beide zu Fontanes Effi Briest. Nächste Woche habe ich noch Lektionen 3 bis 5 zu Stefan Zweigs Schachnovelle und zu Novalis‘ Hymnen an die Nacht. Effi Briest und die Schachnovelle musste/muss ich nicht alleine vorbereiten und darum bin ich wirklich froh. Ich wüsste nicht, ob die Sache so einfach über die Bühne gegangen wäre, hätte ich alles alleine vorbereiten müssen. Aber so ist es eigentlich ganz gut gelaufen. Die Schüler waren unglaublich aufmerksam und haben wirklich gut mitgemacht. Ich denke mal, da war auch ein bisschen Übungslehrer-Bonus dabei, aber im Grossen und Ganzen bin ich wirklich sehr zufrieden. In Zukunft gibt es noch ein paar Kleinigkeiten, auf die ich besser achten muss und ich muss mich noch daran gewöhnen, dass das Niveau und die Motivation am Gymnasium etwas anders sind als im 10. Schuljahr.

In der ersten Lektion habe ich mit den Schülern ein Szenario für eine Effi Briest des 21. Jahrhunderts erarbeitet, wobei echt gute Ideen kamen. Hipster-Effi und Künstler-Crampas waren nur zwei der Ideen, die von den Schülern eingeworfen wurden (auch wenn Künstler-Crampas nicht so wirklich passen würde, aber die Idee fand ich trotzdem gut). Sie haben auch gezeigt, dass sie den Text wirklich gut verstanden haben und die zentralen Probleme gut herausarbeiten können. Leider habe ich mir natürlich zu viel vorgenommen für die Stunde beziehungsweise die Dauer der Diskussion völlig unterschätzt. Dasselbe ist mir dann auch bei der zweiten Lektion passiert, aber diesmal war ich besser vorbereitet und konnte dann doch noch am Ende einlenken. Statt zusätzlich zum entscheidenden Dialog zwischen Innstetten und Wüllersdorf noch weitere Szenen anzuschauen (was ich eh nicht bis zum Ende durchgedacht hatte), haben wir uns einfach noch einmal zurückbezogen auf die Lektion von meiner Kollegin und uns noch einmal überlegt, was jetzt die ganze Duellgeschichte mit Innstettens Charakter zu tun hat. Dass man auch einfach die Frage nach dem Aktualitätsbezug noch einmal hätte aufbringen können (gibt es sowas heute noch?), ist natürlich weder mir noch dem Praxislehrer vorher eingefallen. Aber naja, genau darum geht man ja ins Praktikum – um solche Fragen dann später selbst gleich in petto zu haben zu stellen zu können.

Also Alles in Allem: Natürlich ist es ein Riesen-Vorteil, dass ich bereits Unterrichtserfahrung habe, dass ich des Öfteren neue und fremde Klassen habe und dass ich mich inzwischen auch schon einiges traue. Zu lernen gibt es trotzdem noch einiges und ich bin wirklich schon sehr gespannt, wie es in den nächsten Lektionen laufen wird.

 

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Au revoir, Lyon!

Und schon ist es vorbei. Vorgestern war mein letzter Arbeitstag im Goethe-Institut (obwohl Arbeit in diesem Fall etwas grosszügig formuliert ist). Gestern Abend war ich noch gemütlich essen gehn mit meinen Mitpraktikantinnen und morgen geht’s wieder zurück nach Zürich, wo der Ernst des Lebens wieder anfängt. Also eigentlich steht erstmal Treffen mit Freundinnen an und dann Weihnachten feiern und DANN Ernst des Lebens.

Aber eigentlich wollte ich euch an dieser Stelle erstmal einen Bericht von meinem Praktikum geben. Ich war zwei Monate beim Goethe-Institut in Lyon in der Abteilung Bildungskooperation Deutsch. Die kümmert sich um die Verbindung des Goethe-Instituts zu den lokalen Schulen, organisiert Weiterbildungen und Workshops für Lehrer und für Schüler, Weiterbildungstage für Sprachassistenten, manchmal auch Lesungen und Ähnliches. Es gab immer wieder Möglichkeiten für Kontakte zu Lehrern und Mitarbeitern der Schulbehörden und ein paar ganz interessante Gespräche. Vor allem habe ich einen kleinen Einblick in das (aus meiner Sicht) ziemlich komplexe Schulsystem Frankreichs erhalten. Die Herausforderungen für die Deutschleherer sind hier schon ziemlich gross und ich bin inzwischen ganz froh, in der Schweiz zu unterrichten, wo zumindest am Gymnasium die Herausforderungen (noch) nicht so extrem sind wie hier. Vor allem können wir uns glücklich schätzen, dass durch unsere Mehrsprachigkeit die ewigen Diskussionen um die Wichtigkeit dieser oder jener Sprache zumindest ein wenig abgeschwächt sind. Der Aufwand, der hier für die Erhaltung des Deutschunterrichts betrieben werden muss, ist immens.

Es war alles in allem eine wirklich interessante Erfahrung, auch wenn die Aufgaben gerne etwas anspruchsvoller hätten sein dürfen. Für Studenten, die schon mitten im Master stehen und neben dem Studium schon den einen oder anderen Job gemacht haben, ist das Praktikum dann doch nicht unbedingt eine Herausforderung. Die meisten Aufgaben, die ich erhalten habe, kannte ich in irgendeiner Form bereits – Newsletter texten (auf Vorlage von bereits bestehenden Programmtexten), Layouts überarbeiten, Übersetzungen machen, Poster verkaufen usw. Aber es war trotzdem eine enorm spannende Zeit, die mir viel gebracht hat – vor allem habe ich einmal mehr Lust bekommen, noch mehr zu reisen. Eine Lust, die während meiner Gymnasialzeit enorm stark gewesen war, dann aber in den ersten Jahren meines Studiums unter knappen Finanzen (die sowieso in erster Linie für den Sport reserviert gewesen waren) zu leiden hatte. Aber je mehr ich von der Welt sehe, desto neugieriger werde ich auf diese Welt.

Wie ich schon in meinem letzten Post erwähnt habe, ist mir dank dieses Praktikums auch klar geworden, dass ich nicht unbedingt mein Leben lang im Schulzimmer stehen muss, um mit Schülern und in einer Schule arbeiten zu können. Ausserdem heisst Lehrerin sein bei Weitem nicht nur Lektionen planen und durchführen, sondern es gehört noch weit mehr dazu. Schüleraustausche, Exkursionen und Ähnliches sind nur der Anfang für eine eigentlich enorm vielseitige und abwechslungsreiche Tätigkeit. Je mehr ich sehe, desto sicherer bin ich mir, dass ich mich für den richtigen Weg entschieden habe.

Aber jetzt freue ich mich erstmal wieder auf mein Zuhause, meine Freunde und meine Familie!

Place des Jacobins am fête des lumières

Place des Jacobins am fête des lumières

Mathe, Märkte und Mega-Wetter

Woche 2 meines Lyon-Abenteuers!

Die erste Woche war ganz schön anstrengend! Wir hatten viel zu tun, ich musste bei zwei Abendveranstaltungen Apéro betreuen (und heute kommt gleich nochmals eine) und an drei Tagen bin ich kreuz und quer durch die Stadt gelatscht und habe Flyer verteilt. Vorteil? Ich hab ein paar schöne Ecken und interessante Cafés, Restaurants und Läden entdeckt. Weihnachtsgeschenke kommen dieses Jahr definitiv nicht von grossen Ketten. Nachteil? Meine Beine schmerzen (was sich meine Mitpraktikanten auch ein paarmal anhören durften) und ich hab im Moment null Bock auf Sport – und das schon eine Woche, nachdem ich den Vorsatz gefasst hatte, mindestens einmal pro Woche schwimmen zu gehen! Vielleicht krieg ich’s ja dann doch noch hin.

Im Moment ist es vor allem die Mathe-Ausstellung, die mich beschäftigt. Die Abteilung, in der ich mein Praktikum mache, hat seit meiner Ankunft hier in Lyon eine Ausstellung, die „Mathematik zum Anfassen“ heisst und richtig cool ist. Da gibt’s eine Menge Experimente und Knobelaufgaben zum Ausprobieren, die aus dem Mathematikum in Giessen kommen und jeweils auf einem mathematischen Problem basieren, das dann aber ganz einfach dargestellt wird. Find ich richtig cool! Und der Vorteil an den vielen Aufsichts-Schichten ist, dass wir hin und wieder auch selbst ausprobieren können. Dazu gibt’s eine Klanginstallation auf Basis von irgendwelchen Algorithmen, die über eine iPad-Kamera auf Bewegung und Farben reagiert (und die mir jetzt schon ein kleines bisschen auf die Nerven geht) und eine Sammlung von Bildern, die mathematische Probleme darstellen, von einem Künstler aus Lyon. Zuerst hab ich mich zwar gefragt, was Mathe wohl mit Deutsch zu tun hat, aber inzwischen ist mir das reichlich wurscht, ich find’s einfach nur cool.

Natürlich durfte in den letzten Tagen auch die Erkundung der Stadt nicht zu kurz kommen und wir (das heisst, meine MitpraktikantInnen und ich) haben uns alle Mühe gegeben, zumindest am Wochenende die 20 Grad (!) und dem strahlenden Sonnenschein zu geniessen. Wir haben die Stadt erkundet, sind auf dem Markt herumgestreunt (hab ich mal erwähnt, dass ich Wochenmärkte LIEBE? Hier gibt’s fast jeden Tag irgendwo einen!), sind auf den Hügel geklettert (per Metro – ähem) und haben abends Crêpes gegessen. Ich werde vermutlich nach Hause kugeln, so viel gutes Essen gibt’s hier. Bis jetzt habe ich es – glaube ich – noch keinen Tag ohne etwas Süsses ausgehalten. Zu Hause war es wenigstens „nur“ die obligatorische Schokolade. Hier ist es dann immer ein „Pain au chocolat“ oder noch etwas dekadenteres. Obwohl – in der Kanti hab ich ja auch jeden Tag eines von Diders Schoggibrötli gemampft und bin nicht kugelrund geworden….

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Gut angekommen in Lyon…

… und schon mittendrin im Strudel!

Gestern war mein erster (halber) Tag im Goethe-Institut, wo ich in meine Aufgaben eingeführt wurde und erstmal zumindest einen Teil der Kollegen kennengelernt habe. Es war ganz schön viel an Information, weshalb ich abends dann auch ganz schön müde war. Vermutlich lag das auch ein wenig daran, dass ich morgens extra früh aufgestanden war, um noch ein paar Dinge zu erledigen, die ich von zu Hause noch mitgebracht hatte (und nein, die Französisch-Arbeit ist immer noch nicht fertig. Die Korrekturen vom Gegenlesen müssen noch eingearbeitet werden, bevor sie abgabefertig ist). Anschliessend habe ich mich auch erstmal noch auf Erkundungstour begeben, um mal zu sehen, in was für eine Stadt es mich überhaupt verschlagen hat. Und ja, Lyon gefällt mir ausgesprochen gut bis jetzt!

Was ich gestern und alles gemacht habe:

  • mich mit einer Tonne Informationen zu meinem Praktikum zudröhnen lassen.
  • einen Teil meiner Mitarbeiter kennengelernt.
  • beim Aufbau einer Ausstellung mitgeholfen, die uns alle die nächsten drei Wochen auf Trab halten wird.
  • Festgestellt, dass das Anspruchvollste an diesem Praktikum nicht das Französisch sein wird, sondern der ständige Wechsel von Deutsch auf Französisch.
  • viele nette Cafés und Restaurants entdeckt, die ich mal ausprobieren möchte, solange ich hier bin.
  • einige Läden gesehen, wo ich mich garantiert gut mit Weihnachtsgeschenken eindecken kann.
  • drei Buchläden gesichtet und kein (!) Buch gekauft.
  • mir dafür die neue CD von Bryan Adams besorgt. Er ist und bleibt mein Held.
  • den Kleidungsstil einiger (vieler) Französinnen bewundert (und mir dabei gewünscht, mich auch so stilsicher anziehen zu können)
  • beschlossen, dass ich eine neue Handtasche will. Also eigentlich weiss ich das schon länger. Aber jetzt steht’s offiziell auf meiner Lyon-To-Do-Liste.

Zum Ende dieser sehr trivialen Infos nun noch ein sehr triviales Foto vom heutigen Nachhauseweg. Ich freu mich auf die Zeit bis Weihnachten!

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Ich gehe nach Lyon!

Es ist offiziell: Im November und Dezember 2015 tausche ich Zürich gegen Lyon und die Uni gegen das Goethe-Institut. Ich mache ein zweimonatiges Praktikum in der Abteilung Bildungskooperation Deutsch! Yay!

Mann, bin ich aufgeregt. Es kommt richtig unerwartet, ich hatte die Bewerbung vor etwa zwei Monaten in einem Anfall von „Ich halt’s hier nicht mehr aus, ich muss hier weg“ geschrieben und völlig vergessen. Als dann letzte Woche die E-Mail mit der Zusage kam, warf mich das für einen Moment völlig aus der Bahn. Ich hatte fürs Herbstsemester bereits andere Pläne gemacht, hatte mir vorgenommen, mein Studium in eineinhalb Jahren fertigzubringen und endgültig aus Zürich zu verschwinden. Das passte so gar nicht in diesen Vorsatz und ich war kurz davor, denen eine Absage zu schicken. Glücklicherweise bin ich ein extrovertierter Mensch, der ständig mit allen über alles reden muss. Und die Reaktion einer meiner Freundinnen war eindeutig: „Voll cool! Mach’s! Du wärst blöd, wenn du diese Chance nicht packen würdest. Du würdest es dein Leben lang bereuen. Und ausserdem, wen interessiert ein Semester mehr oder weniger wenn du dafür ein Praktikum beim Goethe-Institut vorweisen kannst?“ Das hat mich zum Denken gebracht und ich beschloss, zuzusagen.

Ja, und jetzt ist der Praktikumsvertrag unterschrieben, die letzten Bestätigungen unterwegs und am 2.11. fängt ein neues Abenteuer an. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie es sein wird, aber um ehrlich zu sein, gefällt mir auch genau das. Es ist richtig aufregend. Und ich freue mich unglaublich darauf. Frankreich! Lyon! Neue Leute! Neue Orte! Hach, ich kanns kaum fassen.