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Stadien einer Seminararbeit

Im Laufe eines Studiums, insbesondere in den Geisteswissenschaften, schreibt man so einige Seminararbeiten. Bei mir waren es wohl zwischen 15 und 20 – so genau habe ich sie nie gezählt. Mit der Zeit wird der Ablauf zur Routine: Immer und immer wieder durchläuft man die gleichen Phasen, bis man genau weiss, wie es geht, wo man einfach durch muss und was Warnzeichen eines nicht ganz normalen Ablaufs sind. Bei mir haben sich inzwischen sieben Phasen herauskristallisiert.

  1. Euphorie!
    Am Anfang einer Seminararbeit bin ich in der Regel völlig aus dem Häuschen, finde mein Thema enorm spannend und stürze mich Hals über Kopf in die Arbeit. Diese Phase ist meistens dadurch gekennzeichnet, dass ich mich tagelang nur mit diesem einen Thema auseinandersetze und einfach mal den Online-Katalog der Bibliothek durchstöbere und meine Lektüreliste immer länger wird.
  2. Sammelphase
    In der zweiten Phase werde ich zum Hamster. Ich lade Artikel herunter, lehne ein Buch nach dem anderen aus der Bibliothek aus, kopiere mir alles, was ich finde. Ich lese, bis mir die Augen schmerzen und ich nicht mehr weiss, was ich wo gelesen habe. Wenn alles richtig läuft, entsteht hier die Struktur für die Arbeit (die ich aber zwischen Phase 4 und 6 noch mindestens zwei Mal über den Haufen werfe. Das ist aber ganz normal).
  3. Durchhänger I oder: die Schwelle zum Schreiben
    Meistens kommt nach der Sammelphase der erste Tiefpunkt, weil ich nicht so recht weiss, wie ich das alles angehen soll. Wenn ich schon eine Fragestellung definiert habe (und diese gut ist), dann ist dieser Durchhänger in der Regel eher kurz. Wenn nicht, dann entspricht diese Phase der ersten grossen Krise. Dann drehe ich mich tagelang im Kreis, sitze vor einem weissen Blatt Papier und kriege kaum zwei gerade Sätze aufs Blatt.
  4. Schreiben!
    Ist der erste Durchhänger überwunden, kommt meine Lieblingsphase: Es läuft endlich, ich kann schreiben, bis meine Finger wund werden und die Arbeit ist jeden Abend etwas weiter gediehen. Irgendwo hier werde ich auf jeden Fall die Struktur nochmals umwerfen, weil ich garantiert nochmals über irgendetwas stolpere, das mich doch auch noch interessiert. Oder weil ich plötzlich denke, dass dieser andere Aspekt des Themas doch viel interessanter wäre. Ich kann minutenlang über der perfekten Formulierunge eines Satzes brüten und – wenn ich die Seminararbeit auf Französisch schreiben muss – neue Wörter im Dutzend lernen. Einfach, weil’s gerade Spass macht.
  5. Durchhänger II oder: Wie lange noch?
    Egal, wie gerne ich mich mit dem Thema einer Seminararbeit auseinandersetze, irgendwann kommt der Punkt, an dem ich keine Lust mehr habe. Ich will die Arbeit einfach nur noch abgeben und mich endlich wieder mit etwas anderem beschäftigen. Meistens kommt hier die zweite Schreibblockade. Ich sehe plötzlich überall Lücken in meiner Argumentation und Probleme, die sich stellen, habe aber keine Ahnung, wie ich sie lösen soll. Es sei denn, ich werfe alles über den Haufen und fange nochmals von vorne an. Aber nein, dafür fehlt mir die Zeit, denn in zwei Wochen muss ich ja abgeben! (Und ja, die Zwei-Wochen-vor-Abgabe-Regel ist sehr präzise)
    Während der zweiten Durchhänger-Phase sitze ich in der Regel viel länger als üblich auf Facebook, sehe mir alle neuen Folgen von NCIS und beiden Spin-offs an (und wenn ich die durch hab, dann suche ich mir noch ein paar alte Folgen, die ich eigentlich schon auswendig kann). Oder ich finde plötzlich einen neuen Autor, den ich super finde und dessen Bücher ich am liebsten alle verschlingen würde.
  6. Endspurt
    Die letzten zwei Wochen vor Abgabe sollte ich mir eigentlich ein Schild umhängen, auf dem sowas wie „Vorsicht! Seminararbeits-Endphase! 2 Meter Sicherheitsabstand wahren!“. Fragt mal meine Eltern. Oder meine Mitbewohner. Ich werde absolut unerträglich. Ich bin nämlich ein Perfektionist und diese letzte Phase, in der man noch alles unterbringen möchte, das man noch gefunden hat und in der man die Arbeit poliert, ist die schlimmste. Vor allem, wenn man weiss, dass man sie noch jemandem zum Gegenlesen geben möchte und diese Person ja auch nicht unendlich viel Zeit hat.
    Diese Phase ist ausserdem gekennzeichnet durch schlechte Ernährung, viel Kaffee und Schokolade und nächtliche Panik-Anfälle, weil mir plötzlich wieder irgendetwas einfällt.
  7. Post-Abgabe-Phase
    Ist die Abgabe endlich geschafft, gibt es nur eine Regel zu beachten: Die Seminararbeit nicht mehr anfassen. Das mein ich ernst. Nein, schau sie nicht mehr an. Begrab sie irgendwo unter hundert anderen Dokumenten. Verbrenn die zweite Kopie am besten. Sonst findest du nur noch mehr Fehler, die der Prof ganz bestimmt katastrophal findet.
    Diese Phase ist begleitet von einer wahlweise absolut übereuphorischen oder mehr oder minder depressiven Stimmung. Denn Mittelmass gibt’s bei mir nicht. Es gibt nur Extreme. Manchmal will ich nicht abgeben, denn schliesslich habe ich dieses Thema so lange mit mir rumgetragen. Aber ich muss, denn die nächste Arbeit wartet schon. Und dazwischen möchte ich gerne noch zwei Tage Süsses Nichtstun. Danke.

Damals bei der Bachelorarbeit waren die Phasen besonders ausgeprägt. Oh Mann, habe ich damals meine Eltern genervt. Eigentlich will ich noch gar nicht wissen, wie’s dann bei der Masterarbeit wird. Vermutlich werde ich mich irgendwo in den Bergen in einer Hütte einschliessen müssen, wo mich niemand stören kann (bzw. wo ich niemanden brüllend anfallen kann, weil er den Fehler gemacht hat, im falschen Moment seinen schmutzigen Teller in der Spüle hat stehen lassen). Im Grossen und Ganzen finde ich Seminararbeiten aber toll. Wirklich!

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Sommertrott

Kleines Update aus dem Land der Studenten: Die Sommerferien sind in vollem Gange, im Studentenwohnheim verschwinden entweder alle in die Ferien, nach Hause oder verkriechen sich in ihren Zimmern und der Bibliothek zum Lernen. Der grosse Wechsel steht an, einige meiner Mitbewohner und viele Nachbarn haben ihr Studium abgeschlossen und brechen auf zu neuen Ufern. Der Katzensee lockt, seit das Wetter wieder besser ist und die Grillabende werden trotz Lernphase wieder regelmässiger.

Auf meinem Schreibtisch liegen seit Juni die Transkriptionen der Dialektologie-Exkursion und Bücher mit unglaublich technisch klingenden Sätzen, die nur aus Fremdwörtern zu bestehen scheinen und die einen daran erinnern, warum man den Grammatikunterricht nie ausstehen konnte. Thema der Seminararbeit, die bis Ende September fertig sein muss: Der Enunziativ im Dialekt von Gèdre, einem kleinen Dorf im Pay Toy, in den französischen Pyrenäen. Es ist kein weltbewegendes Thema, aber eine interessante Eigenheit des Gascon. Die Sätze werden mit Morphemen am Satzanfang markiert, sodass der Hörer immer gleich weiss, ob es sich um einen Aussage- oder Fragesatz handelt – dann kommen noch ein paar andere Dinge dazu, die man scheinbar damit ausdrücken kann, aber ich geh jetzt nicht in die Details. Jedenfalls muss ich dann die Transkriptionen nach Hinweisen auf diesen Eunziativ durchsuchen und sehen, ob er systematisch angewendet wird und ob es sich um ein ganzes System handelt oder ob es nur ein einziges Enunziativmorphem gibt. An sich ganz interessant, aber wie gesagt, die Sekundärliteratur ist irgendwie nicht so spannend.

Schön immerhin, dass ich daneben etwas für meine Masterarbeit tun kann. Das Thema wird langsam etwas klarer und je länger, je mehr finde ich, dass ich mir ein tolles Gebiet ausgesucht habe. Noch wichtiger und zeitaufwendiger als die Masterarbeit sind im Moment aber zwei Dinge: WWF-Lager und Casting-WM. In eineinhalb Wochen fahren wir ins Engadin, um zehn Tage lang durch den Nationalpark zu wandern. Die letzten Vorbereitungne laufen, es geht noch darum, ein wenig Material zu organisieren und die letzten Routen abzulaufen (bis jetzt hatten wir Wetterpech). Und natürlich Daumen drücken, dass es hin und wieder regnet, sodass wir ohne Feuerverbot durchkommen. Vermutlich bin ich danach völlig fix und fertig, aber ich freu mich drauf.

Und in etwas mehr als einem Monat ist der Abflug nach Spanien zur Casting-WM, für die ich mich im Mai ja qualifiziert habe. Inzwischen habe ich einen extrem guten und einen ziemlich schlechten Wettkampf hinter mir, die Nervosität steigt und die Motivation fürs Training wird immer grösser. Noch schaffe ich es nicht, täglich auf dem Platz zu stehen, aber immerhin das ergänzende Krafttraining läuft gut und die Technik krieg ich auch langsam in den Griff. Ich hab mich schon lange nicht mehr so sehr auf die WM gefreut wie dieses Jahr. Aber mit Training, Vorbereitungen und gaskognischer Grammatik sind meine Tage dann auch schon gut ausgefüllt. Immerhin für den einen oder anderen Sprung in den See und ein paar Seiten lesen reicht die Zeit dann jeweils doch noch.

Liebe Seminararbeit

Du begleitest mich jetzt schon eine ganze Weile. Es gab in den letzten Monaten nur wenige Tage, an denen ich mich nicht mit dir beschäftigt habe. Anfangs fand ich das ja noch toll, du warst interessant, witzig, geistreich. Aber jetzt – langsam gehst du mir auf die Nerven. Das ist wohl so, wenn man zu viel Zeit miteinander verbringt, so ganz ohne Pause. Besonders mit so schwierigen Typen wie dir, die einfach nicht auf den Punkt kommen wollen und die das Gefühl haben, sich ständig neu erfinden zu müssen, ohne sich wirklich zu verändern. Du meldest dich in den unpassendsten Momenten zu Wort, willst ständig meine Aufmerksamkeit und hälst mich davon ab, Zeit für andere Dinge aufzuwenden. Dinge, die mir wichtig wären. Aber du lässt es nicht zu, dazu bist du zu eifersüchtig. Immerhin hat diese Sache zwischen uns ein vorbestimmtes Ablaufdatum.

Eigentlich sollte ich ja inzwischen klüger sein – ich hatte schon oft mit Typen wie dir zu tun und es war immer dasselbe: Ein etwas holpriger Start, dann eine euphorische Anfangsphase, gefolgt von einem mehr oder minder tiefen Loch, aus dem ich mich mit grosser Anstrengung wieder herausgehievt habe, um die Trennung so sauber und schmerzlos wie möglich zu machen. Die Nachwehen der Trennung waren meistens mit äusserst gemischten Gefühlen verbunden. Meistens war es vor allem Erleichterung, dass ich die Trennung endlich geschafft habe. Aber die schlaflosen Nächte und die daraus folgende Unfähigkeit, mich auf anderes zu konzentrieren, mit der habe ich mich immer noch nicht abgefunden.

Wenn ich zurückblicke, war jedes Mal, dass ich mich mit einem wie dir eingelassen habe, im Nachhinein zwar eine Genugtuung und eine lohnende Erfahrung, aus der ich klüger und stärker hervorgegangen bin, aber der Weg dahin so unglaublich mühsam, dass ich mich immer wieder frage, warum ich mich immer wieder mit deiner Sorte einlasse. Ja, warum eigentlich? Damit mein Leistungsnachweis etwas schöner aussieht? Warum wende ich so viel Zeit für Typen wie dich auf, wenn ich es doch so viel einfacher und leichter haben könnte? Aber ich bin wohl auch hier Perfektionistin. Ich stecke viel zu viel Zeit in diese Sache, obwohl ich weiss, dass sie nicht für die Ewigkeit gemacht ist und ich dich bald wieder gehen lassen muss. Ob es mir passt oder nicht.

Ich weiss jetzt schon, was nächsten Donnerstag, wenn ich endlich mit dir fertig bin, kommt: Der grosse Hangover. Vermutlich werde ich das ganze Wochenende zu Hause rumsitzen und nichts tun, weil du mir immer noch Kopfschmerzen bereitest. Oder nein, der nächste von deiner Sorte steht ja schon bereit. Der will übers Wochenende auch noch etwas Zeit mit mir verbringen. Aber der nervt mich jetzt schon, also werde ich ihm wohl nur halb so viel Zeit zugestehen, wie er gerne hätte. Wenn’s denn funktioniert. Ihr seid immer so schrecklich besitzergreifend.

Also tu mir den Gefallen und mach die letzten paar Tage noch ein wenig angenehm. Ich habe keine Lust darauf, mich im Streit von dir zu trennen. Und schon gar nicht, später nochmals mit dir konfrontiert zu werden, weil ich dich nicht so behandelt habe, wie du es von mir erwartest.

Danke.

Herzlich,
Melina

Meine Lieblingsphase

Arbeiten schreiben finde ich ja grundsätzlich toll. Ehrlich. Viel besser als jede Prüfungsvorbereitung und jeder Vortrag. Aber es gibt da diese eine Phase, ungefähr zwei Wochen vor der Abgabe (manchmal auch etwas mehr oder weniger), wo ich am liebsten alles hinschmeissen würde. Die Phase, in der ich kurzzeitig sozial inkompatibel werde (fragt mal meine Eltern, die können ein paar Geschichten dazu erzählen), mein Stresslevel in ungeahnte Höhen steigt und der Schokoladenkonsum in für meine Haut (und den Rest meines Körpers) absolut ungesunde Dimensionen wächst. In Kombination mit einer Reduktion der sportlichen Aktivitäten, versteht sich. Tatsache ist, dass ich gerade mitten in dieser Phase stecke. Die Schokolade ist zwar im Moment noch relativ sicher und ich bin meinen Mitbewohnern auch noch nicht an die Gurgel gegangen. Aber ich bin kurz davor.

Die doofe Proust-Arbeit ist zäher als gedacht, mein ständiges Vor- und Zurückspringen beim Schreiben hat ein Chaos in der Argumentation verursacht und im Moment weiss ich nicht einmal, ob meine Gedankengänge nicht schon von Grund auf unlogisch und unzusammenhängend sind. Das Seiten-Soll habe ich grundsätzlich erreicht: 15 Seiten sollen es mindestens sein, 13 habe ich geschrieben und die Einleitung und das Schlusswort fehlen noch. Das gibt je ca. eine Seite, wenn man also noch die diversen Korrekturen hinzufügt, die noch ein paar Abschnitte mehr einbringen sollten, bin ich gut im Rennen. Wenn denn die Argumentation einigermassen standhält. Tatsache ist aber auch, dass ich im Moment absolut keine Motivation habe. Eigentlich würde ich lieber im Pyjama auf dem Bett liegen und lesen. Oder schreiben. Oder stricken. Oder Serien schauen. Egal, Hauptsache, ich kann die Uni ignorieren. Denn neben der Seminararbeit muss ich in den nächsten zwei Wochen noch einen Vortrag und eine Vorlesungsarbeit fertigbringen, für die ich genauso wenig Motivation habe wie für diese Arbeit. Und nächste Woche fängt die Schule und damit meine Nachhilfekurse wieder an, was heisst, dass ich noch viel weniger Zeit haben werde als gerade jetzt.

Vermutlich dauert es noch ca. zwei Tage, bis der Zeitdruck dann gross genug ist, um die Motivation zurückzubringen. Das hoffe ich jedenfalls, denn ansonsten hätte ich ein ernsthaftes Problem. Aber bis jetzt hat es auch immer geklappt, also warum nicht jetzt auch wieder?

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Seminararbeiten Ausgabe FS 15

Es ist mal wieder so weit, ich muss eine Seminararbeit schreiben. Diesmal zu Prousts A la Recherche du temps perdu, aber nein, für einmal nicht auf Französisch, sondern auf Deutsch. Noch einen knappen Monat habe ich Zeit und von den 20 Seiten ist noch keine einzige geschrieben. Panik? Fehlanzeige. Stress? Kein bisschen. Das kommt dann noch. Vermutlich die entspannteste (oder auch faulste) Seminararbeit in der Geschichte meines Studiums. Zumindest bis jetzt.

Was habe ich bisher? 75 bei Citavi eingespeicherte Zitate aus ca. 15 Büchern und Artikeln, eine mehr oder weniger ausgearbeitete Grobstruktur à la française (das heisst thematisches Vorgehen statt zuerst Theorie und dann Textanalyse), ungefähr fünfeinhalb Seiten strukturierte Notizen.
Was fehlt noch? Eine Unterteilung meiner drei grossen Kapitel (es werden wohl ca. sechs Seiten pro Kapitel, das eine oder andere Unterkapitel dürfte also nicht schaden), die Analyse der zweiten Szene, zwei Artikel, die ich morgen in der ZB holen werde. Und natürlich die 20 Seiten Text, die ich abgeben muss.
Auf gut Deutsch: Ein Grossteil der Vorarbeit ist geleistet, aber jetzt kommt der anstrengende Teil, nämlich das Schreiben. Ich tu mich extrem schwer mit Schreiben, selbst wenn ich gut vorbereitet bin. Ich lege jedes Wort auf die Goldwaage und überlege mir immer drei Mal, ob meine Argumentation auch wirklich Stand hält. Eigentlich sollte es aber dennoch ganz gut klappen.

Trotzdem hat sich mein Vorgehen bislang einigermassen bewährt:

  1. Literatur suchen. Primär und Sekundär. Das heisst, zunächst einmal den zu analysierenden Text genau lesen, sich Ideen zurechtlegen, wozu man schreiben will und dann mal in die Bibliothek, um die entsprechenden Texte zu suchen und dann zu lesen.
  2. Texte lesen und sofort wichtige Zitate bei Citavi abspeichern. Erspart das mühsame Durchkämmen von seitenweise schlecht gemachten Lesenotizen (dieses Problem hatte ich ein einziges Mal – nie wieder!) und mit dem einigermassen logischen Zuordnen von Stichworten werden die Zitate auch schnell wieder gefunden. Zudem – und das finde ich das Allerpraktischste an Citavi – kann man auch die Struktur der Arbeit abspeichern und die Zitate gleich den verschiedenen Kapiteln zuordnen. Bevor man anfängt zu schreiben kann man einfach die Zitate mit der Zuordnung zu den Kapiteln ausdrucken und gleich richtig einfügen.
  3. Struktur erarbeiten und Notizen machen. In einem Word-Dokument alle wichtigen Punkte (teilweise auch gleich mit Zitaten) gleich in der richtigen Struktur notieren. Das erleichtert die Übersicht und macht es meiner Meinung nach einfacher, die Argumentation sauber auszuarbeiten. Ich verliere so viel weniger den Überblick darüber, was ich schon gesagt habe und wenn ich dann zu schreiben anfange, habe ich eigentlich die fertige Arbeit schon im Kopf.
  4. Schreiben. Und dabei nach und nach die Punkte des Notiz-Dokuments abhaken. Wenn die Notizen gut waren, hat man nichts vergessen und nichts doppelt aufgeschrieben. Zudem geht es eigentlich nur noch ums Ausformulieren und viel weniger darum, eine Argumentation zu entwickeln, was einiges vereinfacht. Natürlich kann es sein, dass in dieser Phase noch Änderungen an der Struktur gemacht werden müssen oder ich merke, dass manche Punkte doch nicht so ergiebig sind wie gedacht. Aber im Grossen und Ganzen sollte dieser Teil mit einer guten Vorbereitung dann relativ locker vonstatten gehen.

Dieses Vorgehen hat sich vor allem für literarische Arbeiten bewährt, aber auch für linguistische Arbeiten kam es schon erfolgreich zum Einsatz und ich denke, dass man auch in anderen Fächern ganz gut damit arbeiten kann. Insbesondere die Entdeckung von Citavi hat sich für mich als Glücksgriff herausgestellt. Ich kann mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen, eine Arbeit ohne dieses wunderbare kleine Programm zu schreiben und ich kann es nur wärmstens empfehlen!

Seminararbeit Nr. 1: Check

Gestern Nachmittag habe ich zusammen mit einer Freundin die erste Seminararbeit, die wir noch vom letzten Semester ‚mitgenommen‘ hatten, fertiggeschrieben, gedruckt und abgegeben. Fast zwei Monate früher als erwartet! Das ist ein neuer Rekord! Und ein Beweis dafür, dass Gruppenarbeiten sehr gut funktionieren können, wenn man sich regelmässige Zwischentermine setzt, seine Erwartungen klar kommuniziert und jeder seine Beiträge erwartungsgemäss erledigt. Und wenn man sich gut versteht ist das natürlich ein riesiger Vorteil 😉
Nun kann ich mich meiner Arbeit über Proust zuwenden und der explication de texte für mein Französisch-Seminar.

Chaos

Wenn das Chaos in meinem Zimmer/auf meinem Schreibtisch jeweils proportional zum Stress vor einer Prüfung oder Abgabe ansteigt, dann ist die Tatsache, dass ich meinen Arbeitsplatz heute chaosbedingt vom Schreibtisch aufs Bett verlegen musste, wohl ein schlechtes Zeichen…

Abgabetermine!

Am Montag muss ich für Pädagogik zwei Arbeiten abgeben (einmal Synopse für Pädagogische Psychologie und einmal Unterrichtsvorbereitung für Allgemeine Didaktik). Und nach einem kurzen Panikanfall gestern Nachmittag bin ich jetzt offiziell im Kurz-vor-Abgabetermin-Modus. Das heisst:

  • Stresslevel: sehr hoch
  • Toleranzlevel: rekordverdächtig niedrig
  • Laune: Tiefpunkt
  • Aggressionslevel: Sicherheitsabstand wahren
  • Schokoladenkonsum: Was da ist, wird gefuttert
  • Schlafpensum: Wenn ich könnte, mindestens acht Stunden, aber mein Kopf will nicht, also sind wir bei 6 Stunden (mit ständigen Unterbrüchen)

Meine Familie weiss inzwischen, dass sie mir in dieser Phase besser aus dem Weg geht und ich gebe mir alle Mühe, meine Mitbewohner nicht zu sehr leiden zu lassen. Inzwischen habe ich zum Glück die eine oder andere Taktik entwickelt, um damit klarzukommen:

  • Tee trinken. Eine Tasse Tee hilft mir fast immer, mich zu entspannen. Morgens gerne Grüntee und abends dann was gerade da ist – aber weder Grün- noch Schwarztee, denn sonst kann ich noch weniger schlafen.
  • Den eigenen Rhythmus kennen und sich Zeit nehmen. Sowohl für die Arbeit als auch für die Entspannung. Ich weiss inzwischen, dass ich abends eh nicht mehr wirklich was zustande bringe, also lass ich es gleich dabei bleiben, dass ich abends einfach nicht arbeite, sondern entspanne. Und dann auch wirklich nicht an die Arbeit denke.
  • Freizeitaktivitäten reduzieren, damit möglichst viel Zeit für die Arbeit bleibt und ich mich wirklich darauf konzentrieren kann. Mädelsnachmittag und Sport im aktuellen Fall ausgenommen. Sport ist eh abends nach der produktiven Phase und tut gut. Und die Mädelsnachmittage sind eh so selten, da will ich keinen verpassen.
  • Anforderungen runterschrauben. Es muss nicht immer eine 6 sein, bestanden reicht auch (siehe dieser Post). Das gibt ein wenig Luft zum Atmen.

Soo, und jetzt mach‘ ich mich wieder an die Arbeit. Drückt mir die Daumen, dass ich mit beidem bis Sonntagabend fertig bin!

Hat jemand meine Motivation gesehen?

Ich schreibe ja gerne Seminararbeiten. Wirklich. Meine Familie glaubt mir das zwar nicht, weil ich regelmässig kurz vor dem Abgabetermin einen kleinen Nervenzusammenbruch erleide vor lauter Nervosität und Angst, ich könnte sie nicht rechtzeitig fertigkriegen (bzw. sie könnte meinen verdrehten Ansprüchen nicht genügen), aber es stimmt. Seminararbeiten sind viel spannender als Prüfungen. Ich mag es, ein Thema von verschiedenen Seiten zu beleuchten, die Aspekte, die ich genauer betrachten will, selber zu bestimmen und mich mit Sekundärliteratur einzudecken, die ich dann doch nicht lese. Und ich mag es, mir meine eigenen Gedanken zu etwas zu machen. Seminararbeiten lassen einen (meistens) viel tiefer in eine Materie eintauchen als Prüfungen.

In den letzten fünf Jahren habe ich einige Seminararbeiten geschrieben, die meisten auch ziemlich erfolgreich. Ich kenne meine Arbeitsabläufe, habe mir einen guten Schlachtplan zurechtgelegt, der immer noch flexibel genug ist, um auch bei so störrischen Dingern wie dieser Bachelorarbeit zu funktionieren und kenne mich mit meinen eigenen Arbeitsweisen gut genug aus, um auch mal meinen inneren Schweinehund zu überlisten. Inzwischen weiss ich, dass es ganz normal ist, ein paar Wochen vor der Abgabe in ein kleines Motivationstief zu fallen. Danach kommt ein kleiner Panikschub und schwupps hab ich die Arbeit dann doch noch geschrieben. Als um Ostern herum das Tief kam, war ich also nicht weiter beunruhigt, tröstete mich damit, dass das eben dazu gehöre und versicherte mir selber, dass mir ja noch ein paar Wochen blieben. Bis jetzt ist meine Motivation aber immer noch nicht aus dem Urlaub zurück und langsam macht mir das wirklich Sorgen.

Es ist ja nicht so, dass ich gar nichts gemacht hätte seit Ostern. Ich habe immerhin jetzt endlich die komplette Struktur mitsamt Notizen zum Inhalt und einem entsprechenden Citavi-File mit den nötigen Zitaten fertig, was aber bedeutet, dass ich die fünf Seiten, die ich schon geschrieben hatte, wieder komplett über den Haufen werfen kann. Macht ja nix, wenn ich richtig vorbereitet bin (was ich ja jetzt wäre), dann kann ich innerhalb von einem Tag notfalls auch mal zehn Seiten schreiben. Jap, inzwischen schaff‘ ich das. Ich kann mich nur nicht überwinden, endlich anzufangen, obwohl ich ja in zwei Wochen fertig sein wollte. Spätestens.

Also wenn jemand ein wenig Motivation und Disziplin für mich übrig hat, meldet euch bei mir. Bis dahin starre ich noch eine Weile meinen Bildschirm an, in der Hoffnung, die Arbeit könnte sich dann doch noch von selber schreiben.