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Sommertrott

Kleines Update aus dem Land der Studenten: Die Sommerferien sind in vollem Gange, im Studentenwohnheim verschwinden entweder alle in die Ferien, nach Hause oder verkriechen sich in ihren Zimmern und der Bibliothek zum Lernen. Der grosse Wechsel steht an, einige meiner Mitbewohner und viele Nachbarn haben ihr Studium abgeschlossen und brechen auf zu neuen Ufern. Der Katzensee lockt, seit das Wetter wieder besser ist und die Grillabende werden trotz Lernphase wieder regelmässiger.

Auf meinem Schreibtisch liegen seit Juni die Transkriptionen der Dialektologie-Exkursion und Bücher mit unglaublich technisch klingenden Sätzen, die nur aus Fremdwörtern zu bestehen scheinen und die einen daran erinnern, warum man den Grammatikunterricht nie ausstehen konnte. Thema der Seminararbeit, die bis Ende September fertig sein muss: Der Enunziativ im Dialekt von Gèdre, einem kleinen Dorf im Pay Toy, in den französischen Pyrenäen. Es ist kein weltbewegendes Thema, aber eine interessante Eigenheit des Gascon. Die Sätze werden mit Morphemen am Satzanfang markiert, sodass der Hörer immer gleich weiss, ob es sich um einen Aussage- oder Fragesatz handelt – dann kommen noch ein paar andere Dinge dazu, die man scheinbar damit ausdrücken kann, aber ich geh jetzt nicht in die Details. Jedenfalls muss ich dann die Transkriptionen nach Hinweisen auf diesen Eunziativ durchsuchen und sehen, ob er systematisch angewendet wird und ob es sich um ein ganzes System handelt oder ob es nur ein einziges Enunziativmorphem gibt. An sich ganz interessant, aber wie gesagt, die Sekundärliteratur ist irgendwie nicht so spannend.

Schön immerhin, dass ich daneben etwas für meine Masterarbeit tun kann. Das Thema wird langsam etwas klarer und je länger, je mehr finde ich, dass ich mir ein tolles Gebiet ausgesucht habe. Noch wichtiger und zeitaufwendiger als die Masterarbeit sind im Moment aber zwei Dinge: WWF-Lager und Casting-WM. In eineinhalb Wochen fahren wir ins Engadin, um zehn Tage lang durch den Nationalpark zu wandern. Die letzten Vorbereitungne laufen, es geht noch darum, ein wenig Material zu organisieren und die letzten Routen abzulaufen (bis jetzt hatten wir Wetterpech). Und natürlich Daumen drücken, dass es hin und wieder regnet, sodass wir ohne Feuerverbot durchkommen. Vermutlich bin ich danach völlig fix und fertig, aber ich freu mich drauf.

Und in etwas mehr als einem Monat ist der Abflug nach Spanien zur Casting-WM, für die ich mich im Mai ja qualifiziert habe. Inzwischen habe ich einen extrem guten und einen ziemlich schlechten Wettkampf hinter mir, die Nervosität steigt und die Motivation fürs Training wird immer grösser. Noch schaffe ich es nicht, täglich auf dem Platz zu stehen, aber immerhin das ergänzende Krafttraining läuft gut und die Technik krieg ich auch langsam in den Griff. Ich hab mich schon lange nicht mehr so sehr auf die WM gefreut wie dieses Jahr. Aber mit Training, Vorbereitungen und gaskognischer Grammatik sind meine Tage dann auch schon gut ausgefüllt. Immerhin für den einen oder anderen Sprung in den See und ein paar Seiten lesen reicht die Zeit dann jeweils doch noch.