Schlagwort-Archive: Studium

It is done…

Nachdem es hier die letzten Wochen wiedermal sehr ruhig war, kann ich heute endlich berichten: Ich bin fertig. Nicht nur mit den Nerven, sondern vor allem mit meiner Masterarbeit und mit meinen allerletzten Leistungsnachweisen (vorausgesetzt, die werden von den Professoren angenommen). Die Masterarbeit habe ich gestern meinem Professor abgegeben, morgen oder übermorgen steht noch ein Kurzbesuch bei den Student Services an, um die zweite Kopie abzugeben. Und dann muss ich noch eine tour des bibliothèques machen, die fordern jetzt nämlich alle ihre Bücher zurück… ^^‘ Es bleiben noch vier Vorlesungen zu besuchen und dann heisst es hochoffiziell: Tschüss Uni, hallo Leben! Also erstmal reisen. Und Job suchen. Und eine neue Wohnung. Aber erstmal entspannen. Das hab ich mir glaub ich verdient 😉

Advertisements

Liebe Masterarbeit

Man darf seine Masterarbeit toll finden, oder?  – Was dabei herauskommt, wenn man im Zug etwas Zeit hat, seine Gedanken wandern zu lassen.

Liebe MasterarbeitDSC_1836

Ich finde dich toll. Wirklich. Du vereinst alles in dir, was ich an meinem Studium so geliebt habe und immer noch liebe (ausser die Literatur, aber die ist mir als Hobby sowieso lieber). Du hast Französisch, Linguistik, Pädagogik. Du hast Varietätenlinguistik und sprachenpolitische Fragen. Kultur und Landeskunde und überhaupt all diese Dinge, die für mich so oft zu kurz kamen. Nun habe ich endlich die Gelegenheit, mich damit noch einmal auseinanderzusetzen.

Wir hatten einen ziemlich holprigen Start, das muss ich zugeben. Am Anfang war ich völlig begeistert von dir – und dann habe ich dich eine Weile völlig vernachlässigt. Auch danach habe ich es uns oft nicht leicht gemacht. Ich dachte, du wärst letztendlich nicht anders als all die anderen Arbeiten, die mir fast alle zum Schluss grauenhaft auf die Nerven gingen. Ich dachte, auch von dir hätte ich am Ende die Schnauze voll. Aber wie habe ich mich getäuscht! Je näher der Abgabetermin rückt, desto mehr finde ich es schade, mich von dir bald trennen zu müssen, desto mehr wünsche ich mir, etwas mehr Zeit mit dir verbringen zu dürfen und das, was wir uns jetzt aufgebaut haben, noch etwas weiterzuentwickeln. Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, das hier noch etwas zu verlängern, wer weiss.

Jedenfalls könnte ich mir keinen schöneren Abschluss für mein Studium wünschen. Es wird bittersüss werden, dessen bin ich mir sicher. Deshalb geniesse ich es umso mehr, dass ich mir mit dir einen so wunderbaren Abschluss für diese acht Jahre ausgesucht habe. Auch wenn die letzten paar Wochen chaotisch und manchmal anstrengend waren (und der wohl anstrengendste, wenn auch schönste, Teil vermutlich noch vor mir liegt): Ich geniesse das hier.

Danke, dass du mir erlaubst, nochmals die schönsten Orte meines Studiums zu besuchen. Danke, dass du mir erlaubst, noch einmal neue Plätze zu besuchen und mir neue Horizonte zu erschliessen. Danke, dass du unsere gemeinsame Zeit so angenehm gestaltest.

Ich freue mich auf die letzten Wochen mit dir und hoffe, dass wir einander noch lange in guter Erinnerung behalten werden.

Danke!

Melina

Meilenstein

98’000 Zeichen war meine Masterarbeit heute lang (ohne Titelseite, Inhaltsverzeichnis, Bibliographie)! Das sind ungefähr 40 Seiten Text (wobei die Schriftart noch zu viel Platz braucht, das muss ich noch ändern) oder etwas mehr als die Hälfte von dem, was ich schreiben muss. Alle Lehrmittel sind analysiert, jetzt fehlen noch ein paar CDs mit Hörtexten, für die ich dann nochmals nach Bern fahren muss, das Sprachenportfolio und ein paar Einzeldokumente. Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Ob ich zu optimistisch bin, wenn ich plane, bis zum Ende der Osterferien die Rohfassung fertig zu haben? Wir werden sehen. Für den Moment bin ich jedenfalls ein kleines bisschen stolz.

Improving slowly, but improving

So langsam wird der Rhythmus. In der letzten Woche hatte ich im Grunde kaum Zeit, an meiner Masterarbeit zu werkeln, dafür habe ich viel zu viel gearbeitet. Aber ich habe mir nach wochenlangem Frust über meinen 2 kg schweren und 15 Zoll grossen Laptop, der mir immerhin seit vier Jahren treue Dienste leistet und eigentlich immer noch ganz in Form ist, dann doch einen „Kleinen“ zugelegt. 13 Zoll und nur noch 1,3 kg schwer, viel praktischer, um ihn mit mir rumzutragen. Und der Effekt zeigt sich bereits: Diese Woche habe ich fast jeden Tag mindestens für eine oder zwei Stunden an meiner Arbeit geschrieben, obwohl ich – wie gesagt – eigentlich keine Zeit hatte. Die Theorie steht grösstenteils, die Analysen gedeihen und ich komme so langsam richtig in Fahrt. 25 Seiten sind es bis jetzt (60 Seiten ist das Minimum).

Wie weit ich komme, bis die zweite Krise einsetzt, das werden wir noch sehen. Ich hoffe, es ist weit. Denn ich habe nur noch zweieinhalb Monate. Ich darf gar nicht erst daran denken, wie viel Zeit mir bleibt, wenn ich die Zeit zum Korrekturlesen noch wegrechne. Nein, wir lassen das lieber. Jedenfalls werde ich nächste Woche wohl nochmals einen Ausflug nach Bern in die Nationalbibliothek machen müssen (nachdem der letzte ja nur bedingt erfolgreich war), um die Hördateien zu den Lehrbüchern mal anzuhören (da darf dann wohl der grosse Laptop wieder mit) und mich auf die Suche nach Schweizer Akzenten und Dialekten zu machen. Ich hoffe, bis zu den Osterferien kriege ich die Rohversion fertig! Sonst werde ich mich wohl auch zum Club der Nachtschichten-Einleger gesellen müssen. Wir werden sehen.

So macht Masterarbeit Spass

dsc_1710.jpgHeute musste ich für meine Masterarbeit nach Bern in die Nationalbibliothek fahren. Nachdem ich endlich meinen inneren Schweinehund überwunden hatte, der mir sagte, dass nach Bern fahren doof ist, wars dann doch ein toller (Halb)Tagesausflug. In der Nationalbibliothek hat man mir dann allerdings gesagt, dass die Dokumente, die ich brauche, wegen eines Wasserschadens nicht verfügbar sind. Dann eben nicht. Nach erfolgreicher Anmeldung und der Bestätigung, dass ich mir Dokumente auch nach Hause senden lassen kann, habe ich mich noch für eine Stunde in ein Café gesetzt und doch noch ein bisschen an meiner Masterarbeit geschrieben. Dann noch Mittagessen mit einer Freundin und schon wieder zurück nach Zürich. Leider. Denn eigentlich find ich Bern echt eine tolle Stadt!

Ein bisschen was habe ich immerhin geschafft. Die Struktur steht so langsam und der Theorieteil nimmt Form an. Ich komme zwar mit der Analyse der Lehrmittel nicht wirklich vorwärts, neben der Tatsache, dass die mir bereits bekannten Lehrmittel in der NB nicht zugänglich sind (zumindest nicht bis nächsten Montag), bekomme ich auch erst Ende Woche die komplette Liste mit den aktuell verwendeten Lehrmitteln. Aber dann werde ich eben mit allem anderen weitermachen. Zu Hause wartete übrigens noch eine tolle Überraschung auf mich: Mein neuer Laptop ist da! Nachdem mir mein alter vier Jahre lang treue Dienste geleistet hat (und eigentlich immer noch leistet), musste endlich ein leichteres Modell her. Ich werde so oft mit meinem Laptop unterwegs sein und unterwegs schreiben, dass es einfach notwendig wurde. Ich freu mich riesig über den kleinen Kerl. Der grosse darf jetzt getrost zu Hause an der Wärme bleiben, wo ich ihn natürlich weiterhin verwenden werde. Aber für die Uni und die Schule wird mir hoffentlich der Neue genauso gute Dienste leisten.

Semesterstart zum Letzten

Gestern ging es wieder los: das Frühlingssemester. Mein inzwischen 16. (Mensch, bin ich alt geworden) und mein (hoffentlich) letztes. Ich kann fast nicht anders, als ein wenig nostalgisch zu werden angesichts der Tatsache, dass ich beim nächsten Semesterstart, ein inzwischen liebgewonnenes Ereignis im Jahresverlauf, nicht mehr dabei sein werde. Als heute ein Germanistik-Zweitsemester im Studiladen nach den Mittelhochdeutsch-Basiswerken gefragt hat wurde mir auch bewusst, wie lange icg schon hier bin. So sehr ich also dieses letzte Semester geniessen werde, so froh bin ich, dass bald vorbei ist. Der Countdown läuft!

Stadien einer Seminararbeit

Im Laufe eines Studiums, insbesondere in den Geisteswissenschaften, schreibt man so einige Seminararbeiten. Bei mir waren es wohl zwischen 15 und 20 – so genau habe ich sie nie gezählt. Mit der Zeit wird der Ablauf zur Routine: Immer und immer wieder durchläuft man die gleichen Phasen, bis man genau weiss, wie es geht, wo man einfach durch muss und was Warnzeichen eines nicht ganz normalen Ablaufs sind. Bei mir haben sich inzwischen sieben Phasen herauskristallisiert.

  1. Euphorie!
    Am Anfang einer Seminararbeit bin ich in der Regel völlig aus dem Häuschen, finde mein Thema enorm spannend und stürze mich Hals über Kopf in die Arbeit. Diese Phase ist meistens dadurch gekennzeichnet, dass ich mich tagelang nur mit diesem einen Thema auseinandersetze und einfach mal den Online-Katalog der Bibliothek durchstöbere und meine Lektüreliste immer länger wird.
  2. Sammelphase
    In der zweiten Phase werde ich zum Hamster. Ich lade Artikel herunter, lehne ein Buch nach dem anderen aus der Bibliothek aus, kopiere mir alles, was ich finde. Ich lese, bis mir die Augen schmerzen und ich nicht mehr weiss, was ich wo gelesen habe. Wenn alles richtig läuft, entsteht hier die Struktur für die Arbeit (die ich aber zwischen Phase 4 und 6 noch mindestens zwei Mal über den Haufen werfe. Das ist aber ganz normal).
  3. Durchhänger I oder: die Schwelle zum Schreiben
    Meistens kommt nach der Sammelphase der erste Tiefpunkt, weil ich nicht so recht weiss, wie ich das alles angehen soll. Wenn ich schon eine Fragestellung definiert habe (und diese gut ist), dann ist dieser Durchhänger in der Regel eher kurz. Wenn nicht, dann entspricht diese Phase der ersten grossen Krise. Dann drehe ich mich tagelang im Kreis, sitze vor einem weissen Blatt Papier und kriege kaum zwei gerade Sätze aufs Blatt.
  4. Schreiben!
    Ist der erste Durchhänger überwunden, kommt meine Lieblingsphase: Es läuft endlich, ich kann schreiben, bis meine Finger wund werden und die Arbeit ist jeden Abend etwas weiter gediehen. Irgendwo hier werde ich auf jeden Fall die Struktur nochmals umwerfen, weil ich garantiert nochmals über irgendetwas stolpere, das mich doch auch noch interessiert. Oder weil ich plötzlich denke, dass dieser andere Aspekt des Themas doch viel interessanter wäre. Ich kann minutenlang über der perfekten Formulierunge eines Satzes brüten und – wenn ich die Seminararbeit auf Französisch schreiben muss – neue Wörter im Dutzend lernen. Einfach, weil’s gerade Spass macht.
  5. Durchhänger II oder: Wie lange noch?
    Egal, wie gerne ich mich mit dem Thema einer Seminararbeit auseinandersetze, irgendwann kommt der Punkt, an dem ich keine Lust mehr habe. Ich will die Arbeit einfach nur noch abgeben und mich endlich wieder mit etwas anderem beschäftigen. Meistens kommt hier die zweite Schreibblockade. Ich sehe plötzlich überall Lücken in meiner Argumentation und Probleme, die sich stellen, habe aber keine Ahnung, wie ich sie lösen soll. Es sei denn, ich werfe alles über den Haufen und fange nochmals von vorne an. Aber nein, dafür fehlt mir die Zeit, denn in zwei Wochen muss ich ja abgeben! (Und ja, die Zwei-Wochen-vor-Abgabe-Regel ist sehr präzise)
    Während der zweiten Durchhänger-Phase sitze ich in der Regel viel länger als üblich auf Facebook, sehe mir alle neuen Folgen von NCIS und beiden Spin-offs an (und wenn ich die durch hab, dann suche ich mir noch ein paar alte Folgen, die ich eigentlich schon auswendig kann). Oder ich finde plötzlich einen neuen Autor, den ich super finde und dessen Bücher ich am liebsten alle verschlingen würde.
  6. Endspurt
    Die letzten zwei Wochen vor Abgabe sollte ich mir eigentlich ein Schild umhängen, auf dem sowas wie „Vorsicht! Seminararbeits-Endphase! 2 Meter Sicherheitsabstand wahren!“. Fragt mal meine Eltern. Oder meine Mitbewohner. Ich werde absolut unerträglich. Ich bin nämlich ein Perfektionist und diese letzte Phase, in der man noch alles unterbringen möchte, das man noch gefunden hat und in der man die Arbeit poliert, ist die schlimmste. Vor allem, wenn man weiss, dass man sie noch jemandem zum Gegenlesen geben möchte und diese Person ja auch nicht unendlich viel Zeit hat.
    Diese Phase ist ausserdem gekennzeichnet durch schlechte Ernährung, viel Kaffee und Schokolade und nächtliche Panik-Anfälle, weil mir plötzlich wieder irgendetwas einfällt.
  7. Post-Abgabe-Phase
    Ist die Abgabe endlich geschafft, gibt es nur eine Regel zu beachten: Die Seminararbeit nicht mehr anfassen. Das mein ich ernst. Nein, schau sie nicht mehr an. Begrab sie irgendwo unter hundert anderen Dokumenten. Verbrenn die zweite Kopie am besten. Sonst findest du nur noch mehr Fehler, die der Prof ganz bestimmt katastrophal findet.
    Diese Phase ist begleitet von einer wahlweise absolut übereuphorischen oder mehr oder minder depressiven Stimmung. Denn Mittelmass gibt’s bei mir nicht. Es gibt nur Extreme. Manchmal will ich nicht abgeben, denn schliesslich habe ich dieses Thema so lange mit mir rumgetragen. Aber ich muss, denn die nächste Arbeit wartet schon. Und dazwischen möchte ich gerne noch zwei Tage Süsses Nichtstun. Danke.

Damals bei der Bachelorarbeit waren die Phasen besonders ausgeprägt. Oh Mann, habe ich damals meine Eltern genervt. Eigentlich will ich noch gar nicht wissen, wie’s dann bei der Masterarbeit wird. Vermutlich werde ich mich irgendwo in den Bergen in einer Hütte einschliessen müssen, wo mich niemand stören kann (bzw. wo ich niemanden brüllend anfallen kann, weil er den Fehler gemacht hat, im falschen Moment seinen schmutzigen Teller in der Spüle hat stehen lassen). Im Grossen und Ganzen finde ich Seminararbeiten aber toll. Wirklich!

Ich will nicht Lehrerin werden

So, jetzt ist es raus. Nein, ich will nicht bis zu meiner Pensionierung oder meinetwegen auch nur für die nächsten zehn Jahre tagtäglich in Schulzimmern stehen und pubertierenden Teenagern Goethe näherbringen oder die Schönheiten der Französischen Sprache erläutern. Ich will nicht Prüfungen erstellen und Aufsätze bewerten, ich will mir nicht Jahr für Jahr eine neue Eröffnung meiner allerersten Stunde ausdenken oder eben die Eröffnung vom letzten Jahr wiederholen. Nein, diese Erkenntnis ist nicht das Produkt einer plötzlichen Eingebung, sondern Ergebnis von Überlegungen, die ich mir seit mehreren Jahren mache und die sich im Laufe der letzten paar Monate immer weiter konkretisiert haben.

Ungefähr acht Jahre lang habe ich jedem, der mich gefragt hat, gesagt, dass ich Lehrerin werden will. Die Antwort hat alle beruhigt: Verwandte, die sich nicht vorstellen konnten, was zum Teufelman mit Germanistik anfangen sollte, Freunde, für die diese Frage genauso wichtig war wie für mich, am meisten aber mich selbst. Ich hatte ein konkretes, erreichbares Ziel vor Augen, mit dem ich mich das ganze Studium über bei der Stange halten konnte. Es hat meine Existenzängste etwas besänftigt, zu wissen, dass am Ende meines Studiums ein einigermassen sicherer Job auf mich warten würde (wie naiv ich damals doch war!). Und es hat mir immer wieder dabei geholfen, mich im Dschungel der Lehrveranstaltungsangebote zurechtzufinden.

Gleichzeitig hat es mich aber auch eingeschränkt. Ich bin sieben Jahre lang mit dem konstanten Gedanken daran, was mir das dann später im Schulzimmer etwas bringen würde, durch die Uni gegangen. Immer wieder habe ich mir gesagt «das brauchst du später eh nie» und bin weitergegangen, ohne weitere Gedanken an ein Thema zu verschwenden, das mich eigentlich interessiert hätte. Statt mich ehrlich meinen Interessen zuzuwenden, habe ich mich dem Nützlichen zugewandt. Aber letztendlich hat die kleine, nagende Stimme gesiegt, die immer wieder Zweifel angemeldet hat, die mich immer wieder dazu gedrängt hat, mich mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit Schule zu tun haben und die weit über den möglichen Horizont eines Mittelschülers hinausgehen.

Die Aussicht, Lehrerin zu werden, gab mir Orientierung und bewahrte mich vor der Frage «was dann?». Ja, wenn nicht Lehrerin – was dann? Was will ich stattdessen tun? Sobald dieses Ziel wegfällt, muss ich mich ehrlich mit meinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen, muss links und rechts des Weges bewusst hinschauen und mir überlegen, wo es mich hinziehen könnte. Einmal mehr stehe ich an einer Kreuzung, hunderte Wege, die ich wählen könnte, und ich muss mich für einen entscheiden. Ich muss mich fragen, was es sonst noch für Ideen gibt, die mich interessieren. Ich muss mir überlegen, welche Talente ich wirklich für wichtig erachte und was mir im Leben am wichtigsten ist.

Es ist nicht so, dass ich das Lehrersein als für mich völlig unpassend abgestempelt habe. Feedbacks von Schülern, Kollegen und Praxislehrpersonen haben mich grundsätzlich darin bestätigt, dass ich zumindest nicht schlecht darin bin, zu unterrichten. Die Arbeit mit Jugendlichen macht mir Spass, ich begleite sie gerne ein Stück auf ihrem Weg und ich freue mich über jeden noch so kleinen Erfolg. Ich möchte bei meiner Arbeit Menschen begegnen. Ich möchte etwas weitergeben. Aber das klassische Schulzimmer, die Kantonsschule als Rahmen, das ist nicht das, was ich will. Es ist mir nicht wohl bei dem Gedanken, die nächsten paar Jahrzehnte in diesen Räumen zu verbringen, mit diesen Lehrplänen und mit den Fragen, die das ‘klassische’ Lehrerdasein mit sich bringen.

In knappen neun Monaten werde ich meinen Master abschliessen. Spätestens dann muss ich eine Vorstellung davon haben, was ich mit meinem Leben zumindest für das nächste Jahr anfangen will. Ich brauche noch keinen Masterplan für den Rest meines Lebens, aber ich möchte zumindest wissen, wohin mich mein Weg als nächstes führen wird, welche Interessen und Stärken ich als nächstes ausleben, an welchen Schwächen ich arbeiten möchte. Und ich muss wissen, was ich als nächstes lernen will.

Ich habe noch zwei Semester. Allerhöchste Zeit also, mich damit auseinanderzusetzen, was man mit Germanistik sonst noch so anstellen kann.

Was wir vom Leistungssport fürs Studium lernen können

Nach drei Jahren Wettkampfpause bin ich seit Februar wieder dabei, Leistungssport zu betreiben. Wöchentliche Trainings, Krafttraining, Ausdauer, Wettkämpfe, die ganze Palette. Im Gymnasium lief die ganze Sache noch eher nebenbei, damals habe ich mich eher als Musikerin denn als Sportlerin gesehen. Inzwischen finde ich doch einiges mehr daran und dabei ist mir aufgefallen, wie viel Studium und Leistungssport eigentlich miteinander zu tun haben.

Ohne Fleiss kein Preis
Kein Sportler, der einigermassen erfolgreich ist, wird dir sagen, dass er nicht trainiert hat. Alle müssen etwas für ihre Erfolge tun. Auch wenn’s manchmal so aussieht, als ob die einen schneller ans Ziel kommen als andere.

Manchmal gewinnt eben gerade nicht derjenige, der am meisten trainiert hat
Das meine ich wirklich so. Manchmal stehst du stundenlang auf dem Platz oder in der Halle (oder sitzt in der Bib) und endest doch auf dem 10. Platz (oder hast eben doch nur eine 4 statt einer 6). Dafür gibt es verschiedene Gründe.

  •  Qualität kommt vor Quantität. Es geht nicht nur um die Anzahl Stunden, sondern auch darum, wie du diese Stunden verbracht hast.
  • Man muss das Gelernte auch umsetzen können. Was nützen mir die vielen Stunden des Trainings, wenn ich im Wettkampf dann wieder die gleiche Sch***e produziere wie schon Anfang Saison?
  • Ein bisschen Wettkampfglück gehört dazu. Manchmal sind die Umstände nicht optimal. Manchmal hast du einfach das Pech, dass genau deine schwächsten Teilbereiche abgefragt werden. Manchmal verletzt du dich zwei Tage vor dem Wettkampf. Manchmal soll es einfach nicht sein.

Es reicht nicht, sich das Training vorzunehmen
Der beste Trainingsplan ist wertlos, wenn du ihn dann nicht umsetzt. Genauso wie es sinnlos ist, sich in die Bib zu setzen und dann den ganzen Tag nur auf dem Internet rumzusurfen.

Trainer und Coaches sind auch nicht immer nur gut
Hin und wieder geraten wir an Trainer, die uns nicht weiterbringen. Da hilft es nichts, dass andere sie dir als die besten ihres Fachs anpreisen. Die Chemie muss eben auch stimmen. Und deshalb ist es ganz ok, sich mal mehrere Trainer anzutun, mal zu sehen ob jemand anderes auch noch gute Tipps auf Lager hätte. Das gilt an der Uni auch für Profs. Manchmal wirkt ein Thema beim einen Prof extrem langweilig, während der nächste es ganz verständlich und vor allem spannend darlegt.

Man darf sich auch bei den Mitstreitern was abschauen
Damit meine ich natürlich nicht, dass ihr die Prüfung eures Nachbarn abschreiben oder seine Seminararbeit kopieren sollt. Aber bei Wettkämpfen mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es gut tut, die anderen Werfer zu beobachten, weil man sich da immer mal wieder eine gute Technik oder einen kleinen Kniff abschauen kann, den man dann übernehmen kann. Also redet mal mit euren Kommilitonen über Arbeitstechniken, vielleicht haben die anderen was raus, das euch auch helfen kann.

Es gibt Zeiten, um an seinen Schwächen zu arbeiten und Zeiten, seine Stärken auszuspielen
Zu Beginn der Saison war ich voll darauf fokussiert, meine schwächeren Disziplinen auf ein anständiges Niveau zu bringen. Auch jetzt noch, kurz vor der WM, arbeite ich an meinen beiden schwächsten Disziplinen, aber nur so weit, wie es die starken Disziplinen nicht beeinträchtigt. Denn letztendlich nützt es mir nichts, überall Mittelmass zu sein, wenn ich mit etwas Arbeit an meinen starken Disziplinen eine Medaillenchance gehabt hätte. Auch im Studium gibt es Zeiten, um Lücken zu schliessen und sich mal mit den Dingen auseinanderzusetzen, die einem bislang Mühe bereitet haben. Aber wenn’s um die Auswahl der Themen für die Masterarbeit oder für die Abschlussprüfung geht, dann sollte der Fokus eher auf den Themen liegen, die man schon ein wenig beherrscht. Sonst wird der Aufwand dann irgendwann zu viel und es kommt doch nichts dabei heraus.

Prüfungssituationen wollen auch geübt sein
Denn letztendlich gewinnt in der Regel derjenige, der mit der Situation am besten umgegangen ist, der seine Nervosität gemeistert hat und der seine optimale Leistung abrufen konnte. Wer mit dem Druck einer Prüfungssituation oder eines bevorstehenden Abgabetermins nicht umgehen kann, der hat eigentlich schon verloren, bevor er antritt.

Wir müssen das Beste aus den Umständen machen
Manchmal regnet’s wie aus Kübeln, wenn du an den Start gehst oder du wirst eine Woche vor der Prüfung krank. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Mach das Beste draus. Auch ein mittelmässiges Resultat oder ein einfaches „genügend“ ist zu akzeptieren, wenn die Umstände es nicht anders zugelassen haben.

Last but not least: Vergiss den Spass bei der Sache nicht
Gerade in einem Sport wie Casting, der nichts einbringt, ist es absolut erlaubt, auch einfach den Wettkampf zu geniessen, die gute Gesellschaft, die Begegnungen mit Sportlern aus aller Welt. Und letztendlich machst du das alles doch eigentlich, weil du Freude daran hast, oder? Oder zumindest sollte es so sein. Also nimm dir das Recht heraus, das alles auch mal nicht todernst zu sehen.

Nr. 14

Semesterstart! Schon zum 14. Mal heisst es für mich neue Vorlesungen besuchen, Leistungsnachweise planen, mit anderen um Vortrags- und Seminararbeitsthemen streiten und Profs kennenlernen. Mit vielen bekannten und einigen neuen Gesichtern. Ich kann kaum glauben, dass es schon sechseinhalb Jahre her ist, seit ich das erste Mal die Uni Zürich betreten habe. Nach der Pause letztes Semester habe ich aber endlich wieder neue Motivation und ich kann mich wieder auf die Herausforderungen freuen. Und nachdem dieser Blog im letzten halben Jahr viel weniger Aufmerksamkeit erhalten hat als ihm zustand, dürfte ich dieses Semester hoffentlich wieder öfters zum Schreiben kommen.

Das liegt bestimmt  auch an der Tatsache, dass das Ende langsam absehbar ist. Im Frühjahrssemester 2017, also in einem Jahr, sollte ich meine ganzen Lehrveranstaltungen hinter mir haben und im Herbstsemester dann mit der Lehrdiplomsprüfung endgültig fertig sein. Das zumindest die Hoffnung. Wie gut der Plan aufgeht, wird sich noch zeigen. Es gibt noch einige Seminararbeiten zu schreiben, eine Masterarbeit und ein paar Prüfungen zu bestehen. Ohne Zusammenbruch, wenn möglich.

Dieses Semester steht endlich die erste Fachdidaktik-Veranstaltung an und zwar im Fach Deutsch. Meine erste Übungslektion habe ich auch schon gefasst – Thema: Novalis, Hymnen an die Nacht. Der Dozent macht bis jetzt einen guten Eindruck, die Mitstudenten ebenso. Wie sich die Sache entwickelt, wird sich noch zeigen müssen, aber ich habe ein gutes Gefühl. Vor allem fühlt es sich endlich ein wenig nach einer Lehrerausbildung an. Nicht mehr nur Theorie, sondern tatsächlich Praxis und Rückmeldungen zu meinen Lektionen.

Auch in Deutsch und Französisch sind die Veranstaltungen sehr vielfältig und richtig spannend. Ich habe Kulturanalytische Linguistik gebucht, eine Vorlesung zur Autorschaft, ein Forschungskolloquium zur Erzählung in Literatur und Linguistik, ein Seminar zu mittelalterlichen Benimmbüchern (auf Französisch) und ein Seminar zu Gaskognisch. Letzteres bei meinem Lieblingsprof (insert sarcasm here), in der ersten Stunde zumindest hat es längst nicht so schlimm gewirkt wie erwartet. Und als Bonus gibt’s in der letzten Semesterwoche eine Exkursion in die Pyrenäen dazu. Mit einem richtigen dialektologischen Forschungsprojekt und allem Drum und Dran. Dazu gibt’s später sicher noch mehr zu berichten.

Im Grossen und Ganzen also wirklich ein Semester, auf das ich mich freuen kann 🙂