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Warum Arbeiten neben dem Studium manchmal nervt

Eigentlich wollte ich euch ja an dieser Stelle mit tollen Fotos von meiner kleinen Auszeit in Krakau bewerfen, aber gerade ist etwas dazwischengekommen, das ich unbedingt loswerden will. Ich habe schon mit verschiedenen Leuten die Frage diskutiert, ob es sinnvoll ist, neben dem Studium zu arbeiten und wenn ja, wie viel. Grundsätzlich finde ich: JA! Jeder Student sollte irgendwann im Laufe seines Studiums zumindest einen Ferienjob gemacht haben (und damit meine ich nicht irgendein tolles Praktikum bei einer Bank, sondern einen Knochenjob, Service oder Detailhandel zum Beispiel). Einfach nur, um zu wissen, wie das Leben „da draussen“ so läuft. Und auch Erfahrung im Bereich des künftigen Traumjobs kann eigentlich nur gut sein. Wenn ihr also Lehrer werden wollt und ihr kriegt die Chance, Nachhilfe zu geben, packt sie! Oder wenn ihr in einem Museum aushelfen könnt oder wasweissich – auch wenn es vielleicht nicht so gut bezahlt ist, jede Erfahrung macht sich gut im Lebenslauf und bringt Kontakte.

Blöd ist es dann, wenn die Arbeit so wichtig ist – sei es vom finanziellen oder vom persönlichen Standpunkt her -, dass man Möglichkeiten, die einem im Studium geboten werden, nicht nutzen kann. Wenn man so fokussiert studieren muss, dass man keine Chance hat, auch mal links und rechts des Weges Gelegenheiten zu erkennen und vielleicht mal einen kleinen Umweg einlegen zu können. So geschehen heute: Ich habe eine E-Mail bekommen, ob ich an einem Stipendium für eine Summer School in Avignon (allein schon der Ort! könnt ihr euch vorstellen, was es heisst, in Avignon zu studieren?) interessiert wäre. Ich hätte nur Reisekosten, Unterkunft (wäre irgendwie zu stemmen gewesen) und zusätzliche Kosten für Ausflüge etc. vor Ort übernehmen müssen. Alles in mir schrie natürlich: JA! HER MIT DER GELEGENHEIT! UNBEDINGT! Aber ein einziger Blick in den Terminkalender hat gereicht, um den Traum platzen zu lassen. Meine Schüler schreiben Abschlussprüfungen und beide WWF-Lager dieses Sommers fallen genau in diese Zeit. Keine Chance also, mit Studenten aus aller Welt tollen Professoren zuzuhören, keine Chance, einen Monat lang in Avignon zu wohnen und die Stadt zu erkunden und keine Chance, ein paar Punkte ausserhalb des Semesters zu sammeln. Eine geniale und womöglich einmalige Gelegenheit ist damit ausser Reichweite.

Für diejenigen, die jetzt denken „Na und? Ist doch halb so wild!“: So eine Summer School ist eine fantastische Gelegenheit, sich mit Studenten aus aller Welt auszutauschen, Professoren anderer Unis mit anderen Schwerpunkten kennenzulernen und überhaupt einmal ein paar Erfahrungen zu sammeln, die man nicht machen kann, wenn man immer nur an der gleichen Uni studiert. Für „normalsterbliche“ Studenten wie mich sind diese Kurse in der Regel absolut unerschwinglich (6000 $ im Falle von Avignon allein für die Teilnahme), weshalb ein solches Stipendium eine wohl einmalige Gelegenheit ist.
Für mich ist das einmal mehr eine Bestätigung, dass Studenten, die neben dem Studium arbeiten müssen, um überhaupt eine Hochschule besuchen zu können, einen riesengrossen Nachteil haben. Arbeits- und Lebenserfahrung hin oder her.