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WG-Leben ist…

… spontanes Tanzen in der Küche zu alten Songs, von denen man normalerweise nicht zugeben würde, dass man sie immer noch gut findet.

… zusammengewürfelte Festessen, weil wir vergessen haben für das seit zwei Wochen angekündigte WG-Essen einzukaufen.

… zusammengewürfelte Festessen, einfach, weil wir gerade alle in der Küche sind und nicht jeder für sich kochen möchte.

… ein verstopfter Abfluss, sodass wir eine Woche lang unser Abwasser kesselweise ins WC spülen.

… am Morgen erstmal das Geschirr, das sich einen ganzen letzten Tag lang angesammelt hat, wegräumen, damit man an die Frühstücksschale kommt, die zuunterst unter vier Töpfen steht.

… abends um neun nochmals aus dem Pyjama steigen, weil man beschlossen hat, noch etwas trinken zu gehen, um die letzten Prüfungen zu feiern.

… bis morgens um vier im Wohnzimmer über Gott und die Welt quatschen.

… drei Runden Beerpong spielen, ohne einen Schluck zu trinken, weil die Jungs Gentlemen sein möchten und einen die Becher nicht mal anfassen lassen.

… etwas widerspenstig die Schimmelkultur aus dem Kühlschrank entfernen und sich dabei fragen, was dieser graue Haufen ursprünglich war.

… den Semesterputz mit dem Kater des Jahres zelebrieren und ihn abends mit Kurierpizza und Bier auf dem Balkon feiern, weil die Küche zu sauber ist, um sie zu benutzen.

… Schlange stehen vor dem Frauenbad, weil alle drei gleichzeitig duschen und Zähneputzen wollen und der Freund der Mitbewohnerin gerade die Dusche blockiert.

… sich gegenseitig beim UNO-Spielen ankreischen, weil man schon wieder eine verdammte +4-Karte bekommen hat.

… abends die Abfallsäcke aus dem fünften Stock in den Container zu werfen versuchen.

… sich beim Munchkin bis um Mitternacht fertigmachen.

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WG-Momente

Alle, die schonmal in einer WG gelebt haben, werden es bestätigen können: Einerseits ist das Zusammenleben mit anderen Menschen, ob man sie nun als seine Freunde bezeichnet oder sie eher Fremde sind, manchmal ganz schön anstrengend. Andererseits gibt es aber auch wirklich schöne Momente. So zum Beispiel, wenn sich aus dem zusammengewürfelten Brunch für zwei am Sonntagmorgen eine spontane Küchenparty mit der halben WG entwickelt – einfach nur, weil das Wetter gerade so schön und die Spotify-Playlist so gut ist. Vielleicht nur für eine halbe Stunde, aber die Laune ist trotzdem fürs ganze Wochenende gerettet.

Sommertrott

Kleines Update aus dem Land der Studenten: Die Sommerferien sind in vollem Gange, im Studentenwohnheim verschwinden entweder alle in die Ferien, nach Hause oder verkriechen sich in ihren Zimmern und der Bibliothek zum Lernen. Der grosse Wechsel steht an, einige meiner Mitbewohner und viele Nachbarn haben ihr Studium abgeschlossen und brechen auf zu neuen Ufern. Der Katzensee lockt, seit das Wetter wieder besser ist und die Grillabende werden trotz Lernphase wieder regelmässiger.

Auf meinem Schreibtisch liegen seit Juni die Transkriptionen der Dialektologie-Exkursion und Bücher mit unglaublich technisch klingenden Sätzen, die nur aus Fremdwörtern zu bestehen scheinen und die einen daran erinnern, warum man den Grammatikunterricht nie ausstehen konnte. Thema der Seminararbeit, die bis Ende September fertig sein muss: Der Enunziativ im Dialekt von Gèdre, einem kleinen Dorf im Pay Toy, in den französischen Pyrenäen. Es ist kein weltbewegendes Thema, aber eine interessante Eigenheit des Gascon. Die Sätze werden mit Morphemen am Satzanfang markiert, sodass der Hörer immer gleich weiss, ob es sich um einen Aussage- oder Fragesatz handelt – dann kommen noch ein paar andere Dinge dazu, die man scheinbar damit ausdrücken kann, aber ich geh jetzt nicht in die Details. Jedenfalls muss ich dann die Transkriptionen nach Hinweisen auf diesen Eunziativ durchsuchen und sehen, ob er systematisch angewendet wird und ob es sich um ein ganzes System handelt oder ob es nur ein einziges Enunziativmorphem gibt. An sich ganz interessant, aber wie gesagt, die Sekundärliteratur ist irgendwie nicht so spannend.

Schön immerhin, dass ich daneben etwas für meine Masterarbeit tun kann. Das Thema wird langsam etwas klarer und je länger, je mehr finde ich, dass ich mir ein tolles Gebiet ausgesucht habe. Noch wichtiger und zeitaufwendiger als die Masterarbeit sind im Moment aber zwei Dinge: WWF-Lager und Casting-WM. In eineinhalb Wochen fahren wir ins Engadin, um zehn Tage lang durch den Nationalpark zu wandern. Die letzten Vorbereitungne laufen, es geht noch darum, ein wenig Material zu organisieren und die letzten Routen abzulaufen (bis jetzt hatten wir Wetterpech). Und natürlich Daumen drücken, dass es hin und wieder regnet, sodass wir ohne Feuerverbot durchkommen. Vermutlich bin ich danach völlig fix und fertig, aber ich freu mich drauf.

Und in etwas mehr als einem Monat ist der Abflug nach Spanien zur Casting-WM, für die ich mich im Mai ja qualifiziert habe. Inzwischen habe ich einen extrem guten und einen ziemlich schlechten Wettkampf hinter mir, die Nervosität steigt und die Motivation fürs Training wird immer grösser. Noch schaffe ich es nicht, täglich auf dem Platz zu stehen, aber immerhin das ergänzende Krafttraining läuft gut und die Technik krieg ich auch langsam in den Griff. Ich hab mich schon lange nicht mehr so sehr auf die WM gefreut wie dieses Jahr. Aber mit Training, Vorbereitungen und gaskognischer Grammatik sind meine Tage dann auch schon gut ausgefüllt. Immerhin für den einen oder anderen Sprung in den See und ein paar Seiten lesen reicht die Zeit dann jeweils doch noch.

WG-Leben: Prüfungsphase

Das WG-Leben ist echt toll, das könnt ihr mir glauben. Ich denke in letzter Zeit immer wieder, wie gut ich es doch eigentlich getroffen habe. Wäre ich Psychologin oder Soziologin wäre das natürlich noch viel spannender, die Analyseobjekte sind fast unendlich – aber auch so gibt es immer wieder ein paar interessante Beobachtungen zu machen.

Zum Beispiel habe ich im letzten Monat zum ersten Mal eine ETH-Prüfungsphase aus nächster Nähe miterlebt. Fazit: Ich bin heilfroh, dass ich an der Uni studiere, auch wenn das heisst, dass ich alle Prüfungen ins Semester gequetscht bekomme. Tatsache ist nämlich, dass meine eigentlich hyperaktive und supersoziale WG in den letzten paar Wochen totenstill und irgendwie fast ein wenig unheimlich geworden ist. Alle haben sich tief in ihre Zimmer verkrochen – ans Tageslicht in der Küche wagt man sich nur noch zum Essen. Wenn man Glück hat, hört man hin und wieder noch eine Badezimmertüre auf- und zugehen oder man erhascht noch einen Blick auf jemanden, der sich kurz was zu Essen macht. Der Gedanke, der einem dabei durch den Kopf schiesst: Gut, sie leben noch. Auch von unseren Nachbarn hört man hauptsächlich Dinge wie „diese Woche sind noch Prüfungen, keine Zeit also“. Wer mit den Prüfungen schon durch ist und es sich leisten kann, fährt nach Hause. Unsere abendlichen Teerunden und nachmittäglichen Schneemann-Aktionen sind also auf eine relativ kleine Gruppe beschränkt. Immerhin ist meine Mitbewohnerin, mit der ich jeweils zum Sport gehe, auch schon mit ihren Prüfungen durch, sodass wenigstens Muscle Pump noch regelmässig stattfindet.

Und obwohl wir vorgestern wieder einmal ein Kompliment gekriegt haben, wie sauber unsere WG aussehe (natürlich für Studenten-Standards), gab es in den letzten paar Wochen doch deutlich mehr Diskussionen rund um die Frage, wann wer was putzen muss und wie lange eine Pfanne zum Einweichen braucht und wie lange eine Tasse unabgewaschen neben dem Waschbecken stehen darf. Das Stresslevel der meisten (mich eingeschlossen) ist definitiv um einiges höher als noch während des Semesters. Das merkt man auch daran, dass die wenigsten abends noch für einen längeren Schwatz zu haben sind. Meistens beschränken sich die Gespräche auf allgemeine Phrasen und Fragen nach dem Verlauf der letzten Prüfung und wann denn die nächste stattfinde. Oder eben – wer denn diese Woche mit Putzen dran sei, es sehe auch schon wieder grässlich aus und den Müll müsste man auch dringendst mal runterbringen.

wpid-img_20150207_092151.jpgAuf der anderen Seite scheint es, als ob jene, die mit ihren Prüfungen durch sind, dafür umso mehr das Bedürfnis haben, zu feiern. Vorgestern gab es eine spontane Party im Aufenthaltsraum und sogar die Aufräumaktion gestern Morgen ist zu einer ziemlich grossen und ziemlich gesprächigen Runde geworden. Langsam dürfte jetzt auch wieder Normalität einkehren, am Montag sind noch die letzten Prüfungen und eine Woche später fängt ja das Semester schon wieder an – dann werden die abendlichen Teekränzchen und samstäglichen Ausflüge wohl wieder etwas öfter stattfinden.

 

Erkenntnisse eines Wochenendes

Guten Montagmorgen meine Lieben! Nachdem dieses Wochenende mehr oder minder erfolgreich verlaufen ist, möchte ich ein paar ziemlich unwichtige, ziemlich zufällig ausgewählte Erkenntnisse der vergangenen Tage mit euch teilen – einfach, weil ich’s kann.

  • Mehr als drei Stunden am Stück kann ich nicht lernen (kleine Pausen eingerechnet). Danach brauche ich eine grössere Pause, einen Spaziergang, was auch immer. Ich muss einfach vom Schreibtisch weg.
  • Die Crémant-Schokolade von Coop ist besser als die aus der Migros. Warum auch immer.
  • Jede Arbeit hängt einem bis am Schluss wohl zum Hals raus, egal wie sehr einen das Thema interessiert.
  • Allgemeine Didaktik trägt nur bedingt dazu bei, die Angst vor dem Unterrichten zu reduzieren. Im Gegenteil ist es hin und wieder unglaublich anstrengend, auf alles zu achten, auf das man achten müsste. Vor allem, wenn man noch nicht alles voll und ganz beherrscht.
  • Beim Arbeiten schreiben ist der Moment, wo du weisst, dass du’s nicht mehr besser hinkriegts, aber irgendwie doch noch nicht abgeben willst, weil du Angst hast, irgendetwas vergessen zu haben, der schlimmste von allen.
  • Muscle Pump produziert einen üblem Muskelkater.
  • Sonntagsspaziergänge um den See sind super, um den Kopf freizukriegen. Und um Arbeiten vor sich herzuschieben.

Katzensee

  • Ich hab‘ die beste WG der Welt – gestern kam einer meiner Mitbewohner von einer zweiwöchigen Japanreise zurück und wir haben einfach mal „schnell“ ein gemeinsames Abendessen improvisiert. Mit indischen Samosas, Bratkartoffeln und Tomatensalat. Und Matcha-Schokolade zum Dessert. Alles bunt zusammengewürfelt und so, aber wir hatten mal wieder einen echt tollen Abend.

Ich wünsche euch allen eine tolle Woche!